Studium
Additive Fertigung – häufig gleichbedeutend mit 3D-Druck verwendet – ist ein Studiengang, der sich mit der industriellen Herstellung von Bauteilen durch das schichtweise Aufbauen von Material befasst. Anders als klassische Fertigungsverfahren, bei denen Material abgetragen, geformt oder gegossen wird, entsteht beim additiven Fertigungsprozess das Bauteil direkt aus einem digitalen Modell heraus – Schicht für Schicht, präzise und oft ohne Werkzeug. Das Studium Additive Fertigung vermittelt dir das gesamte technische und wissenschaftliche Spektrum dieser Technologie: von den physikalischen Grundlagen über die Verfahrenstechnik bis hin zu Materialwissenschaft, Qualitätssicherung und industrieller Anwendung. Es ist ein Studiengang, der an der Schwelle zwischen klassischem Ingenieurwesen und der digitalen Fabrik der Zukunft steht – und der dich für eine der gefragtesten Technologien der nächsten Jahrzehnte qualifiziert.
Additive Fertigung wird als eigenständiger Bachelor- und Masterstudiengang an einer wachsenden Zahl von deutschen Hochschulen angeboten, darunter die Hochschule Aalen, die Hochschule München und die TU Dresden. Der Bachelorstudiengang dauert in der Regel sieben Semester inklusive eines Praxissemesters und ist stark anwendungsorientiert. Da die additive Fertigung als Querschnittstechnologie in nahezu alle Industriebranchen eindringt, ist das Studium entsprechend interdisziplinär aufgebaut – es vereint Maschinenbau, Werkstoffwissenschaft, Informatik und Verfahrenstechnik.
In den Grundlagenmodulen lernst du die ingenieurwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Grundlagen: Mathematik, Physik, Chemie, Technische Mechanik, Werkstoffkunde und Konstruktionslehre. Du verstehst, wie Materialien aufgebaut sind, welche mechanischen und thermischen Eigenschaften sie haben und wie diese Eigenschaften durch additive Prozesse beeinflusst werden. CAD-Software – das computergestützte Konstruieren von Bauteilen – ist von Anfang an Teil des Studiums, da jeder additive Fertigungsprozess mit einem digitalen Modell beginnt.
Im Kernstudium lernst du alle wichtigen additiven Fertigungsverfahren im Detail kennen: Fused Deposition Modeling (FDM) und Fused Filament Fabrication (FFF) für Kunststoffe, Selektives Lasersintern (SLS) und Selektives Laserstrahlschmelzen (SLM) für Metalle und Polymere, Stereolithografie (SLA) und Digital Light Processing (DLP) für Photopolymere, Binder Jetting für Metalle und Keramiken sowie Multi-Jet-Fusion-Verfahren. Du lernst die Prozesskette der additiven Fertigung von Anfang bis Ende: digitales Design und Topologieoptimierung, Datenvorbereitung und Slicing, Maschineneinrichtung und Prozessüberwachung, Nachbearbeitung und Oberflächenbehandlung sowie Qualitätsprüfung und Zertifizierung.
Werkstoffthemen spielen eine zentrale Rolle: Du lernst, welche Materialien für welche Verfahren geeignet sind, wie Materialeigenschaften durch Prozessparameter beeinflusst werden und wie neue Werkstoffe – etwa biokompatible Polymere für die Medizin oder hochfeste Superlegierungen für die Luft- und Raumfahrt – für additive Prozesse qualifiziert werden. Qualitätssicherung, Messtechnik und Normung – insbesondere die DIN-Normen und VDI-Richtlinien für additive Fertigungsverfahren – sowie Grundlagen der Wirtschaftlichkeitsberechnung runden das Studium ab.
Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe des Studiums und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für das Studium Additive Fertigung wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Da es sich um einen technischen Studiengang handelt, sind gute Noten in Mathematik und Physik empfehlenswert. Ein technisches Vorpraktikum von einigen Wochen in einem Fertigungs- oder Technologiebetrieb wird an manchen Hochschulen vorausgesetzt oder empfohlen, um erste Einblicke in industrielle Produktionsprozesse zu gewinnen. Zulassungsbeschränkungen (NC) variieren je nach Hochschule und Semester – da der Studiengang noch vergleichsweise neu ist, sind die NC-Werte an vielen Standorten moderat. Informiere dich direkt bei der jeweiligen Hochschule über aktuelle Aufnahmevoraussetzungen.
Mit einem Abschluss in Additiver Fertigung arbeitest du in einem der dynamischsten Technologiefelder der modernen Industrie. Ein zentrales Berufsfeld ist die Prozess- und Anwendungsentwicklung in Industrieunternehmen: Du entwickelst und optimierst additive Fertigungsprozesse für bestimmte Bauteile und Materialien, definierst Verfahrensparameter, führst Qualifizierungsversuche durch und stellst sicher, dass Bauteile die geforderten Spezifikationen erfüllen. Du arbeitest in der Luft- und Raumfahrtindustrie – etwa bei Airbus, MTU oder dem DLR –, in der Automobilindustrie, in der Medizintechnik oder im Werkzeug- und Formenbau.
In Forschung und Entwicklung – bei Fraunhofer-Instituten wie dem Fraunhofer ILT oder IPA, bei Universitätsinstituten oder in unternehmensinternen F&E-Abteilungen – arbeitest du an der Weiterentwicklung von Verfahren, neuen Materialien für die additive Fertigung oder neuartigen Anwendungen wie dem 4D-Druck oder der additiven Fertigung von Elektronikbauteilen. Im Bereich Qualitätssicherung und Zertifizierung prüfst und zertifizierst du additive Bauteile nach gültigen Normen – ein besonders gefragtes Profil in sicherheitskritischen Branchen wie Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik.
Auch im technischen Vertrieb und in der Anwendungsberatung bei Herstellern von 3D-Drucksystemen oder Materialien – etwa EOS, SLM Solutions, Stratasys oder TRUMPF – sind Absolvent:innen der Additiven Fertigung gefragt, da sie Kunden kompetent beraten und bei der Implementierung von Lösungen begleiten können. Darüber hinaus entstehen zunehmend neue Berufsfelder im Bereich digitaler Prozessketten, also der Vernetzung von CAD, Simulation, additiver Fertigung und Qualitätsprüfung zu durchgängig digitalen Fertigungsabläufen.
Nach dem Bachelor in Additiver Fertigung bieten sich verschiedene Masterstudiengänge zur fachlichen Vertiefung oder thematischen Erweiterung an:
Das Gehalt nach dem Studium Additive Fertigung ist aufgrund der hohen Nachfrage nach Fachkräften in diesem noch jungen Technologiefeld überdurchschnittlich attraktiv. Im Einstieg – etwa in der Prozessentwicklung, Qualitätssicherung oder im technischen Vertrieb – kannst du mit einem Bruttojahresgehalt von etwa 40.000 bis 55.000 Euro rechnen. In Forschung und Entwicklung bei Industrieunternehmen oder Forschungsinstituten sind Einstiegsgehälter von 42.000 bis 58.000 Euro möglich. In sicherheitskritischen und besonders technologieintensiven Branchen wie Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik sind die Gehälter häufig höher. Mit einem Masterabschluss, Berufserfahrung oder in Führungspositionen steigen die Gehälter auf 58.000 bis 80.000 Euro und mehr. Da das Berufsfeld noch im Aufbau ist und die Nachfrage das Angebot an qualifizierten Fachkräften deutlich übersteigt, sind die Gehaltsaussichten langfristig sehr gut.
Das Studium Additive Fertigung bringt dich an die Spitze einer technologischen Revolution, die gerade dabei ist, die gesamte Industrie umzugestalten. Bauteile, die bisher unmöglich herzustellen waren, werden plötzlich möglich. Lieferketten werden kürzer. Individualisierung wird erschwinglich. Wenn du Technik liebst, interdisziplinär denkst und in einem Berufsfeld tätig sein möchtest, das heute Zukunft schreibt und morgen Standard ist, ist Additive Fertigung dein Studium.