Studium
Agrarsystemtechnologien ist ein Studiengang an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Ingenieurwesen und Digitalisierung. Du lernst, wie technische Systeme – Maschinen, Sensoren, Roboter, Drohnen und digitale Plattformen – in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um Produktionsprozesse effizienter, präziser und nachhaltiger zu gestalten. Es geht dabei nicht nur darum, bestehende Technik zu bedienen, sondern darum, landwirtschaftliche Systemzusammenhänge zu verstehen, technische Lösungen zu entwickeln und die Digitalisierung der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten. Das Studium verbindet Agronomie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Systemtechnik – und ist damit ideal für alle, die sowohl Technik als auch Landwirtschaft lieben und in einem Berufsfeld tätig sein möchten, das gerade einen technologischen Umbruch erlebt.
Agrarsystemtechnologien wird als grundständiger Bachelor-Studiengang an einigen deutschen Hochschulen angeboten, darunter die Universität Hohenheim und verschiedene Fachhochschulen mit agrar- und ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt. Der Bachelorstudiengang dauert in der Regel sieben Semester inklusive eines Praxissemesters und ist stark interdisziplinär ausgerichtet. Er richtet sich an Studierende, die weder rein agrarwissenschaftlich noch rein ingenieurwissenschaftlich denken möchten, sondern beides zusammenführen wollen.
In den Grundlagenmodulen lernst du mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen: Mathematik, Physik, Informatik und Chemie bilden das technische Fundament. Parallel dazu erhältst du einen soliden Überblick über die agrarwissenschaftlichen Grundlagen – Pflanzenbau, Tierhaltung, Bodenkunde und Agrarsysteme – damit du als Techniker:in die landwirtschaftlichen Prozesse verstehst, für die du technische Lösungen entwickelst.
Im Kernstudium vertiefst du dich in die Technik der Landwirtschaft: Agrartechnik und Landmaschinentechnik behandeln den Aufbau, die Funktion und die Weiterentwicklung von Traktoren, Erntemaschinen und Anbaugeräten. Mess-, Steuer- und Regelungstechnik vermittelt dir, wie Sensoren, Aktoren und Steuerungssysteme in landwirtschaftlichen Maschinen zusammenwirken. Precision Farming – also die GPS-gestützte, datenbasierte und standortgenaue Bewirtschaftung von Flächen – ist ein zentrales Thema: Du lernst, wie Ertragskartierungen erstellt werden, wie Applikationskarten für die teilflächenspezifische Düngung und Pflanzenschutzanwendung entwickelt werden und wie Drohnen für die Pflanzenüberwachung eingesetzt werden.
Robotik und Automatisierung in der Landwirtschaft – von autonomen Feldrobotern über automatische Melksysteme bis hin zu KI-gestützter Bildverarbeitung zur Unkrauterkennung – sind weitere Schwerpunkte. Datenmanagement und digitale Agrarsysteme, also das Erfassen, Speichern, Auswerten und Nutzen von Produktionsdaten, runden das technische Profil ab. Systemtechnik und Modellierung vermitteln dir, wie komplexe Agrarsysteme als Ganzes analysiert und optimiert werden.
Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe des Studiums und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für das Studium Agrarsystemtechnologien wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Gute Noten in Mathematik, Physik und Informatik sind empfehlenswert, da das Studium technisch anspruchsvoll ist. Ein technisches oder landwirtschaftliches Vorpraktikum wird an manchen Hochschulen empfohlen oder vorausgesetzt. Zulassungsbeschränkungen variieren je nach Standort; informiere dich direkt bei der jeweiligen Hochschule über aktuelle Aufnahmevoraussetzungen. Da der Studiengang noch vergleichsweise neu und wenig bekannt ist, sind die NC-Werte an vielen Standorten moderat.
Absolvent:innen der Agrarsystemtechnologien sind in einem der am stärksten wachsenden Bereiche der Agrarbranche tätig. Ein zentrales Berufsfeld ist die Entwicklung und Vermarktung von Agrartechnik: Du arbeitest bei Landmaschinenherstellern wie John Deere, CLAAS, Fendt oder Krone in der Forschung und Entwicklung, im Produktmanagement oder im technischen Vertrieb. Du entwickelst neue Maschinen und Systeme, testest Prototypen auf dem Feld und begleitest die Markteinführung neuer Technologien.
Im Bereich Precision Farming und digitale Landwirtschaft arbeitest du bei Unternehmen, die Softwarelösungen, Sensorsysteme oder Datenplattformen für die Landwirtschaft entwickeln – etwa bei Startups im Bereich AgTech oder bei etablierten Technologieanbietern wie Trimble, AGCO oder deutschen Agrarsoftwareunternehmen. Du berätst Landwirt:innen bei der Einführung digitaler Systeme, schulst Anwender:innen und optimierst Prozesse auf Basis von Produktionsdaten. In der Forschung – an Universitäten, dem ATB Potsdam oder dem Max-Rubner-Institut – arbeitest du an der Entwicklung autonomer Systeme, KI-gestützter Erkennung oder neuer Sensorverfahren. Auch in der landwirtschaftlichen Beratung mit Technikfokus sowie in Behörden und Prüforganisationen für Landtechnik sind Absolvent:innen tätig.
Nach dem Bachelor in Agrarsystemtechnologien bieten sich verschiedene Masterstudiengänge zur fachlichen Vertiefung oder Erweiterung an:
Das Gehalt nach dem Studium Agrarsystemtechnologien ist aufgrund der Kombination aus Agrar- und Ingenieurskompetenzen sowie der hohen Nachfrage nach Fachkräften in diesem noch jungen Berufsfeld überdurchschnittlich attraktiv. Im Einstieg – etwa in der Entwicklung, im technischen Vertrieb oder in der Beratung bei einem Landmaschinenhersteller oder AgTech-Unternehmen – kannst du mit einem Bruttojahresgehalt von etwa 40.000 bis 55.000 Euro rechnen. In der Forschung und Entwicklung bei großen Landtechnikunternehmen sind Einstiegsgehälter von 45.000 bis 60.000 Euro möglich. Mit einem Masterabschluss, Berufserfahrung oder in Führungspositionen steigen die Gehälter auf 58.000 bis 80.000 Euro und mehr. Da das Berufsfeld wächst und qualifizierte Fachkräfte knapp sind, entwickeln sich die Gehaltsaussichten sehr positiv.
Das Studium Agrarsystemtechnologien bringt dich an die Spitze der technologischen Transformation der Landwirtschaft. Autonome Maschinen, präzise Sensorik, KI-gestützte Entscheidungssysteme und digitale Plattformen – das ist die Landwirtschaft von morgen, und du gestaltest sie mit. Wenn du Technik liebst, Landwirtschaft verstehst und in einem Berufsfeld tätig sein möchtest, das Hightech und Erdverbundenheit zusammenbringt, ist Agrarsystemtechnologien dein Studium.