Ausbildung

Studium

Agrarwissenschaften ist der klassische und breit angelegte Studiengang rund um Landwirtschaft und Ernährung. Du lernst, wie Nutzpflanzen und Nutztiere produziert werden, welche wirtschaftlichen, ökologischen und technischen Zusammenhänge dabei eine Rolle spielen und wie die Landwirtschaft zukunftsfähig gestaltet werden kann. Das Studium ist bewusst generalistisch aufgebaut – du bekommst zunächst einen umfassenden Überblick über Pflanzenbau, Tierhaltung, Agrartechnik, Betriebswirtschaft und Umwelt, bevor du dich in höheren Semestern spezialisierst. Agrarwissenschaften ist damit der ideale Einstieg für alle, die noch nicht genau wissen, in welchem Teilbereich der Landwirtschaft sie tätig sein möchten, aber sicher sind, dass sie die Landwirtschaft in ihrer ganzen Breite verstehen wollen.

Dieses Studium passt zu dir, wenn du …

  • die Landwirtschaft in ihrer ganzen Breite verstehen und mitgestalten möchtest
  • Interesse an Pflanzen, Tieren, Technik und Wirtschaft gleichermaßen hast
  • in der Schule Biologie, Chemie, Mathematik oder Wirtschaft magst
  • gerne sowohl draußen auf dem Feld als auch im Labor oder am Schreibtisch arbeitest
  • Nachhaltigkeit, Ernährungssicherheit und die Transformation der Landwirtschaft als wichtige Zukunftsthemen siehst
  • dir noch nicht sicher bist, ob du dich auf Pflanzenbau, Tierhaltung, Betriebsführung oder Forschung spezialisieren möchtest
  • auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen bist oder bereits erste Erfahrungen in der Landwirtschaft hast

Studienüberblick und Studieninhalte

Das Studium Agrarwissenschaften wird an zahlreichen deutschen Universitäten und Fachhochschulen angeboten, darunter die Universitäten Bonn, Göttingen, Gießen, Kiel und Hohenheim sowie viele agrarwissenschaftliche Fachhochschulen. Der Bachelorstudiengang dauert in der Regel sechs bis sieben Semester und gliedert sich in eine breit angelegte Grundlagenphase und eine spezialisierte Vertiefungsphase.

In den ersten Semestern lernst du die naturwissenschaftlichen Grundlagen: Botanik, Zoologie, Chemie, Physik, Mathematik und Statistik. Du verstehst, wie Pflanzen und Tiere biologisch funktionieren, welche chemischen Prozesse bei Wachstum und Nährstoffaufnahme eine Rolle spielen und wie wissenschaftliches Arbeiten und Auswerten von Daten funktioniert. Gleichzeitig bekommst du erste Einblicke in die agronomischen Grunddisziplinen: Bodenkunde, Pflanzenernährung, Tierhaltung und Agrartechnik.

Im Hauptstudium wählst du in der Regel einen oder mehrere Schwerpunkte. Typische Vertiefungsrichtungen sind Pflanzenwissenschaften und Pflanzenbau, Tierwissenschaften und Tierhaltung, Agrartechnik und Digitalisierung, Agrarwirtschaft und -management sowie Umwelt- und Ressourcenmanagement. Du lernst in deinem gewählten Bereich tiefergehend: Wie werden Pflanzenkrankheiten diagnostiziert und bekämpft? Wie wird eine Milchviehanlage optimal geführt? Wie lassen sich digitale Technologien wie Precision Farming einsetzen? Wie wird ein Agrarmarkt analysiert?

Laborpraktika, Feldversuche, Lehrveranstaltungen auf Versuchsgütern und Exkursionen sind fester Bestandteil des Studiums. Ein Pflichtpraktikum auf einem landwirtschaftlichen Betrieb – das in vielen Programmen bereits vor Studienbeginn abzuleisten ist – gibt dir den nötigen Praxisbezug. Du schließt das Bachelorstudium mit einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit ab, in der du eine eigene Frage aus dem Bereich deiner Spezialisierung bearbeitest.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe des Studiums und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Breite Neugier und die Bereitschaft, dich in viele unterschiedliche Fachgebiete einzuarbeiten
  • Analytisches Denken bei der Auswertung von Versuchsdaten und betrieblichen Kennzahlen
  • Kommunikationsfähigkeit für Beratung, Teamarbeit und die Zusammenarbeit mit Landwirt:innen
  • Eigenverantwortung und Selbstorganisation – Feldarbeit und Studienalltag erfordern Planung
  • Anpassungsfähigkeit – die Landwirtschaft ist vielfältig und verändert sich schnell

Wichtige Hard Skills

  • Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse in Biologie, Chemie und Physik
  • Statistik- und Datenanalysekenntnisse für Versuchs- und Betriebsauswertungen
  • Grundkenntnisse in Agrartechnik und Betriebswirtschaft
  • Umgang mit digitalen Agrartools, GIS-Software oder Stallmanagementsystemen
  • Kenntnisse in Agrarrecht, Förderpolitik und EU-Agrarpolitik (GAP)

Zugangsvoraussetzungen

Für das Studium Agrarwissenschaften wird an Universitäten die allgemeine Hochschulreife (Abitur) vorausgesetzt, an Fachhochschulen genügt häufig die Fachhochschulreife. Gute Noten in Biologie, Chemie und Mathematik sind empfehlenswert. An den meisten agrarwissenschaftlichen Hochschulen wird ein landwirtschaftliches Vorpraktikum von mehreren Wochen bis hin zu einem Jahr vorausgesetzt oder dringend empfohlen – es stellt sicher, dass Studierende die Realität landwirtschaftlicher Betriebe kennen, bevor sie mit dem Studium beginnen. Zulassungsbeschränkungen (NC) variieren je nach Hochschule und Semester; an vielen Standorten ist der Studiengang zulassungsfrei oder hat nur moderate NC-Werte.

Typische Berufsfelder und Perspektiven im Berufsalltag

Der breite Zuschnitt des Studiums Agrarwissenschaften öffnet Türen in viele Richtungen. Ein klassisches Berufsfeld ist die landwirtschaftliche Beratung: Du begleitest Betriebe in Fragen des Pflanzenbaus, der Tierhaltung, des Betriebsmanagements oder der Umstellung auf ökologischen Landbau. Du arbeitest bei Landwirtschaftskammern, Beratungsringen, privaten Beratungsunternehmen oder Fachverbänden. Dieses Berufsfeld bietet direkten Kontakt zu Landwirt:innen und vielfältige Aufgaben.

In der Agrar- und Lebensmittelindustrie arbeitest du bei Saatgutunternehmen, Düngemittelherstellern, Landmaschinenproduzenten, Lebensmittelprozessoren oder im Agrarhandel. Du bist im Produktmanagement, im Außendienst, in der Qualitätssicherung oder in der Forschung und Entwicklung tätig. Im öffentlichen Dienst findest du Stellen in Agrarministerien, Landwirtschaftsämtern, Pflanzenschutzbehörden oder der EU-Agrarverwaltung, wo du Förderprogramme begleitest, Kontrollen durchführst oder Gesetze mitentwickelst.

In Forschung und Wissenschaft kannst du nach einem Masterstudium an Universitäten, dem Julius Kühn-Institut, dem Thünen-Institut oder dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) tätig sein und an Themen wie Klimaanpassung, Pflanzenzüchtung, Tierwohl oder Digitalisierung der Landwirtschaft forschen. Auch die Entwicklungszusammenarbeit – bei Organisationen wie der GIZ, FAO oder Weltbank – ist ein attraktives Berufsfeld für Absolvent:innen, die international tätig sein möchten.

Aufbauende Studiengänge

Nach dem Bachelor in Agrarwissenschaften stehen dir viele spezialisierte Masterstudiengänge offen – je nach Vertiefungsrichtung im Bachelor und persönlichem Interesse:

  • Agrarwissenschaften (Master) – breite Vertiefung an derselben oder einer anderen Hochschule
  • Pflanzenwissenschaften / Crop Science
  • Tierwissenschaften / Animal Science
  • Agrarökologie oder Ökologischer Landbau
  • Agrarökonomie / Agricultural Economics
  • Agribusiness oder Agrar- und Ernährungswirtschaft
  • Agrartechnik oder Precision Agriculture
  • Umwelt- und Ressourcenmanagement
  • Nachhaltigkeitswissenschaften / Sustainability Science
  • Rural Development / Ländliche Entwicklung
  • Global Food Security oder International Agriculture (englischsprachig)

Gehalt im Beruf

Das Gehalt nach dem Studium Agrarwissenschaften variiert je nach Spezialisierung, Berufsfeld und Arbeitgeber. Im Einstieg – etwa in der Beratung, im Außendienst der Agrarindustrie oder in einer Behörde – kannst du mit einem Bruttojahresgehalt von etwa 30.000 bis 42.000 Euro rechnen. In der Industrie – bei Saatgut-, Düngemittel- oder Landmaschinenunternehmen – sind Einstiegsgehälter von 35.000 bis 50.000 Euro möglich, insbesondere in Außendienst- oder Produktmanagement-Positionen. Im öffentlichen Dienst richtet sich das Gehalt nach TVöD oder TV-L und liegt im Einstieg bei etwa 30.000 bis 44.000 Euro. Mit einem Masterabschluss, Berufserfahrung oder Führungsverantwortung steigen die Gehälter auf 48.000 bis 68.000 Euro und mehr. Eine Promotion öffnet zusätzlich Türen in Wissenschaft und Forschung sowie in Führungspositionen von Industrie und Verwaltung.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Agrarbiologie (stärker naturwissenschaftlich-biologisch ausgerichtet)
  • Agrarökologie (stärker auf ökologische Zusammenhänge und Nachhaltigkeit fokussiert)
  • Agrarökonomie (stärker wirtschaftswissenschaftlich ausgerichtet)
  • Acker- und Pflanzenbau (spezialisiert auf Pflanzenproduktion)
  • Tierhaltung und Tierzucht (spezialisiert auf Nutztiere)
  • Gartenbau oder Gartenbauwissenschaften
  • Biologie mit agrarwissenschaftlichem Schwerpunkt
  • Ausbildung zur Fachkraft im Agrarservice oder zum/zur Landwirt:in (für einen praxisorientierten Einstieg)

Die ganze Landwirtschaft im Blick – Agrarwissenschaften als Studium mit Tiefe und Breite

Das Studium Agrarwissenschaften gibt dir das vollständige Bild einer der ältesten und gleichzeitig am stärksten im Wandel befindlichen Branchen der Welt. Du verstehst, wie Pflanzen wachsen und Tiere gedeihen, wie Betriebe geführt werden und Märkte funktionieren, und wie Technologie und Ökologie zusammen die Landwirtschaft der Zukunft gestalten. Wenn du die Landwirtschaft in ihrer ganzen Komplexität verstehen und in einem Beruf tätig sein möchtest, der täglich zur Ernährung von Menschen beiträgt, ist Agrarwissenschaften dein Studium.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.