Ausbildung

Studium

Akkordeon zu studieren bedeutet, ein außergewöhnliches und vielseitiges Instrument auf höchstem künstlerischem Niveau zu beherrschen – und sich damit in einer Welt der klassischen Musik, des zeitgenössischen Musiktheaters, der Kammermusik und der experimentellen Klangkunst zu bewegen. Das Akkordeon ist längst kein Volksmusikinstänzchen mehr: Als vollwertiges Konzertinstrument hat es im 20. und 21. Jahrhundert ein eigenes, anspruchsvolles Repertoire entwickelt und ist heute in der klassischen Konzertszene ebenso präsent wie in der zeitgenössischen und experimentellen Musik. Das Studium ist ein künstlerisches Hochschulstudium auf universitärem Niveau – es erfordert jahrelange Vorbildung, absolute Hingabe an das Instrument und den Willen, eine Musikerlaufbahn auf professionellem Niveau einzuschlagen.

Dieses Studium passt zu dir, wenn du …

  • das Akkordeon seit Jahren auf hohem Niveau spielst und es zu deiner Leidenschaft geworden ist
  • Musik als Beruf und nicht nur als Hobby siehst
  • ein breites musikalisches Interesse hast – von Klassik über zeitgenössische Musik bis hin zu Kammermusik und Improvisation
  • im Unterricht oder bei Wettbewerben bereits Erfahrungen auf der Bühne gesammelt hast
  • bereit bist, täglich stundenlang zu üben und dein Spiel kontinuierlich zu verfeinern
  • Freude an Musiktheorie, Musikgeschichte und dem wissenschaftlichen Durchdringen von Musik hast
  • eine Solokarriere, eine pädagogische Laufbahn oder eine Tätigkeit in der Kammermusik anstrebst

Studienüberblick und Studieninhalte

Akkordeon wird als künstlerischer Bachelor-Studiengang an deutschen Musikhochschulen angeboten – unter anderem an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, der Hochschule für Musik Freiburg, der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und der Hochschule für Musik und Theater München. Der Bachelorstudiengang dauert in der Regel acht Semester und unterscheidet sich grundlegend von anderen Hochschulstudiengängen: Im Mittelpunkt steht nicht Wissensvermittlung im klassischen Sinne, sondern die intensive künstlerische Ausbildung am Instrument – im Einzelunterricht, in Ensembles und auf der Bühne.

Das Herzstück des Studiums ist der Hauptfachunterricht: Du erhältst regelmäßigen Einzelunterricht bei einer renommierten Professorin oder einem renommierten Professor, erarbeitest ein breites Repertoire – von barocken Transkriptionen über romantische Werke bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen, die speziell für das Akkordeon geschrieben wurden – und entwickelst deinen eigenen künstlerischen Stil und deine Interpretation. Meisterkurse mit nationalen und internationalen Gastdozierenden ergänzen den regulären Unterricht.

Neben dem Hauptfach studierst du musiktheoretische Fächer: Harmonielehre, Kontrapunkt, Gehörbildung und Musikanalyse. Du lernst, Musik nicht nur zu spielen, sondern sie strukturell zu verstehen und zu interpretieren. Musikgeschichte und Musikwissenschaft geben dir den historischen und kulturellen Kontext. Kammermusik – das Zusammenspiel mit anderen Instrumentalist:innen in kleinen Besetzungen – ist ein weiteres wichtiges Lernfeld. Viele Programme bieten zudem Wahlmodule in Improvisation, zeitgenössischer Musik, Elektronik und Live-Elektronik sowie Musikvermittlung und Pädagogik an.

Öffentliche Vorspiele, Konzerte und Abschlussprojekte gehören zum Studium und bereiten dich auf das Bühnenleben als professionelle:r Musiker:in vor.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe des Studiums und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Disziplin und Ausdauer für tägliches, intensives Üben über viele Jahre
  • Künstlerische Sensibilität und die Fähigkeit, Musik emotional und intellektuell zu durchdringen
  • Bühnenpräsenz und die Fähigkeit, auch unter Druck überzeugend zu performen
  • Offenheit für Kritik und die Bereitschaft, das eigene Spiel kontinuierlich zu hinterfragen
  • Teamfähigkeit in Kammermusik, Ensembles und interdisziplinären Projekten

Wichtige Hard Skills

  • Sehr hohes instrumentales Niveau am Akkordeon – Voraussetzung für die Zulassung
  • Kenntnisse in Musiktheorie: Harmonielehre, Notenlesen, Rhythmik und Gehörbildung
  • Breites Repertoirewissen im Akkordeon-Repertoire und in der Kammermusik
  • Kenntnisse in Musikgeschichte und -analyse (werden im Studium vertieft)
  • Grundkenntnisse in Blattspielfähigkeit und Vom-Blatt-Lesen

Zugangsvoraussetzungen

Der Zugang zum Akkordeon-Studium erfolgt ausschließlich über eine Eignungsprüfung – die schulischen Noten spielen eine untergeordnete Rolle. In der Eignungsprüfung spielst du ein selbst gewähltes Programm vor, das dein instrumentales Niveau, deine Musikalität und deine künstlerische Reife demonstriert. Häufig umfasst die Prüfung Werke verschiedener Stile und Epochen sowie möglicherweise ein Pflichtwerk, das von der Hochschule vorgegeben wird. Musiktheoretische Kenntnisse – Gehörbildung, Blattlesen, Harmonielehre – werden ebenfalls geprüft. Der allgemeine Hochschulzugang (Abitur oder Ähnliches) ist formal erforderlich; an einigen Musikhochschulen gibt es jedoch Sonderregelungen für besonders begabte Bewerber:innen ohne formalen Hochschulzugang. Die Konkurrenz ist groß – nur wenige Studienplätze pro Jahr stehen zur Verfügung. Eine Vorbereitung mit einem:r professionellen Lehrer:in ist unbedingt empfehlenswert.

Typische Berufsfelder und Perspektiven im Berufsalltag

Eine Karriere als professionelle:r Akkordeonist:in erfordert Vielseitigkeit und unternehmerisches Denken, da das Berufsfeld kaum feste Anstellungen bietet. Die meisten Absolvent:innen kombinieren verschiedene Tätigkeiten: Als Solokonzertist:in gibst du Konzerte in Konzertsälen, auf Festivals und bei Kammermusikreihen – sowohl in Deutschland als auch international. Internationale Wettbewerbe – etwa der Coupe Mondiale der Confédération Internationale des Accordéonistes – sind wichtige Karrieresprungbretter. Als Kammermusiker:in spielst du in Duos, Trios oder größeren Ensembles und arbeitest mit Musiker:innen verschiedener Instrumente zusammen.

In der zeitgenössischen Musik arbeitest du eng mit Komponist:innen zusammen, interpretierst Uraufführungen und erweiterst das Repertoire deines Instruments. Im Bereich Musiktheater und interdisziplinäre Projekte verbindest du Akkordeonspiel mit Schauspiel, Tanz oder bildender Kunst. Als Musikpädagog:in unterrichtest du an Musikschulen, in privaten Unterrichtsstudios oder an Musikhochschulen und gibst dein Wissen an die nächste Generation weiter – das ist für viele Akkordeonist:innen eine wichtige und stabile Einkommensquelle.

Aufbauende Studiengänge

Nach dem Bachelor in Akkordeon bieten sich verschiedene weiterführende Studiengänge an:

  • Akkordeon (Master) – Künstlerischer Masterstudiengang zur Vertiefung des Solospiels
  • Kammermusik (Master)
  • Musikpädagogik oder Instrumentalpädagogik (für eine Karriere im Unterrichten)
  • Neue Musik oder Zeitgenössische Musik
  • Musikwissenschaft (für eine stärker wissenschaftliche Ausrichtung)
  • Musikmanagement oder Kulturmanagement (für eine stärker organisationale Ausrichtung)
  • Komposition oder Improvisation (für eine stärker kreativ-schöpferische Ausrichtung)

Gehalt im Beruf

Eine Karriere als professionelle:r Akkordeonist:in ist finanziell herausfordernd und sehr variabel. Die meisten Akkordeonist:innen arbeiten freiberuflich und kombinieren Konzertauftritte, Kammermusikprojekte, Unterrichten und Rundfunkproduktionen. Honorare für Konzertauftritte variieren stark – von einigen hundert Euro bei kleineren Auftritten bis zu mehreren tausend Euro bei renommierten Festivals oder internationalen Engagements. Ein geregeltes Jahreseinkommen von 25.000 bis 40.000 Euro brutto ist für viele freiberufliche Musiker:innen realistisch; bei einer starken Konzerttätigkeit und gutem Renommee sind 45.000 bis 65.000 Euro und mehr möglich. Als Musikschullehrer:in – in einer festen Anstellung – richtet sich das Gehalt nach dem jeweiligen Tarifvertrag und liegt bei etwa 28.000 bis 45.000 Euro brutto jährlich. Eine Professur an einer Musikhochschule ist das Karriereziel vieler professioneller Musiker:innen und wird nach W-Besoldung vergütet, die je nach Bundesland und Hochschule zwischen 60.000 und 90.000 Euro liegen kann.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Andere Hauptfachinstrumente (Klavier, Gitarre, Violine etc.) – für Musiker:innen, die ein anderes Instrument bevorzugen
  • Musikpädagogik (Bachelor) – mit stärkerem Fokus auf Unterrichten von Anfang an
  • Musikwissenschaft (für eine stärker wissenschaftlich-analytische Beschäftigung mit Musik)
  • Komposition oder Musikproduktion (für kreativ-schöpferische Musiker:innen)
  • Kulturmanagement (für Musikbegeisterte, die lieber organisieren als auftreten)
  • Tonmeister:in oder Musikinformatik (für technisch interessierte Musikbegeisterte)

Klang ohne Grenzen – Akkordeon als Studium für Musiker:innen mit Leidenschaft und Mut

Das Studium Akkordeon ist kein gewöhnlicher Studiengang – es ist eine Entscheidung für ein Leben mit und für die Musik. Du wählst ein Instrument, das in der Konzertwelt zwar eine Nische besetzt, aber genau darin seine Stärke hat: Das Akkordeon eröffnet Räume, die anderen Instrumenten verschlossen sind. Wenn du dieses Instrument liebst, auf höchstem Niveau spielst und bereit bist, eine Laufbahn einzuschlagen, die künstlerische Erfüllung über finanzielle Sicherheit stellt, ist das Akkordeon-Studium dein Weg.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.

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