Studium
Kläranlagen, die Abwasser biologisch reinigen. Biogasanlagen, die organische Abfälle in Energie umwandeln. Bodenreinigungsverfahren, die mit Mikroorganismen Schadstoffe abbauen. Luftfilter, die biologische und chemische Prozesse kombinieren. Hinter all diesen Umwelttechnologien stehen Menschen, die biologische Prozesse und ingenieurwissenschaftliches Denken zusammenbringen – Fachleute für Bio- und Umwelttechnik. Bio- und Umwelttechnik ist die Ingenieursdisziplin, die biologische, chemische und technische Methoden für den Schutz und die Wiederherstellung von Umwelt und Ressourcen einsetzt. Sie verbindet Biologie, Chemie, Verfahrenstechnik und Umweltwissenschaften zu einem praxisnahen Studiengang, der in einer Zeit des Klimawandels und der Ressourcenknappheit an gesellschaftlicher Dringlichkeit kaum zu übertreffen ist. Im Unterschied zu Bioingenieurwesen – das stärker auf industrielle Bioprozesse und Pharmaindustrie fokussiert – liegt der Schwerpunkt hier auf Umweltschutz, Ressourceneffizienz und der Behandlung von Schadstoffen in Wasser, Luft und Boden. Bio- und Umwelttechnik ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc.), der an Fachhochschulen und Technischen Universitäten angeboten wird und in ein Berufsfeld mit strukturell wachsender Nachfrage führt.
Bio- und Umwelttechnik wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc.) an verschiedenen Fachhochschulen und Technischen Hochschulen angeboten – darunter die Hochschule Mannheim, die Hochschule Darmstadt, die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die TH Köln sowie weitere Standorte. Je nach Hochschule variiert der Studiengangsname: Bio- und Umwelttechnik, Umwelt- und Biotechnik, Umwelttechnik oder Biotechnik und Umwelttechnik bezeichnen teils sehr ähnliche Programme. Die Regelstudienzeit beträgt in der Regel sieben Semester. Das Studium ist praxisnah mit Laboren, Technika und teils Industriepraktika. Bio- und Umwelttechnik ist stärker anwendungsorientiert als universitäre Umweltwissenschaften und stärker auf biologische Prozesse ausgerichtet als reines Umweltingenieurwesen.
Das Studium verbindet naturwissenschaftliche Grundlagen mit verfahrenstechnischen und umwelttechnischen Inhalten. Mathematik, Physik und Chemie bilden das Grundgerüst. Mikrobiologie und Ökologie zeigen Dir die biologischen Grundlagen: Wie funktionieren Mikroorganismen in Umweltsystemen? Welche Rolle spielen Bakterien beim Abbau von Schadstoffen, bei der Stickstoffumsetzung oder in der Biogasproduktion? Biochemie und Biotechnologie zeigen Dir die biochemischen Prozesse, die in der biologischen Abwasserreinigung, der Kompostierung und der Fermentation ablaufen. Verfahrenstechnik und Anlagenbau zeigen Dir, wie Umwelttechnikanlagen – Kläranlagen, Biogasanlagen, Abluftreinigungsanlagen – ausgelegt, betrieben und optimiert werden. Wasserchemie und Wasseraufbereitung zeigen Dir, wie Trinkwasser aufbereitet und Abwasser biologisch und chemisch gereinigt wird – ein zentrales Berufsfeld der Umwelttechnik. Abfallwirtschaft und Ressourceneffizienz zeigen Dir, wie Abfälle verwertet, Wertstoffe zurückgewonnen und biologische Abfälle zu Biogas, Kompost oder Biokraftstoffen umgewandelt werden. Luftreinhaltung und Abluftreinigung zeigen Dir, wie industrielle Abgase gereinigt und Emissionen reduziert werden – biologische Abluftreinigung mit Biofiltern und Biowäschern ist ein wachsendes Anwendungsfeld. Bodenkunde und Altlastensanierung zeigen Dir, wie kontaminierte Böden biologisch saniert werden. Umweltrecht und Umweltmanagement zeigen Dir den rechtlichen und organisatorischen Rahmen: EU-Umweltrecht, BImSchG, WHG, ISO 14001 und Umweltmanagementsysteme.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für den Bachelor Bio- und Umwelttechnik wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Gute Noten in Chemie, Biologie und Mathematik sind faktisch wichtig. Der NC ist an den meisten Hochschulen moderat oder das Fach ist zulassungsfrei. Ein Vorpraktikum in einem Umwelttechnikunternehmen, einem Ingenieurbüro oder einer Kläranlage ist an manchen Hochschulen Pflicht und immer empfehlenswert. Informiere Dich direkt bei der jeweiligen Hochschule.
Absolvent:innen der Bio- und Umwelttechnik arbeiten in einem Berufsfeld mit strukturell wachsender Nachfrage – Klimaschutz, Energiewende und die Verschärfung von Umweltgesetzen treiben den Bedarf an qualifizierten Umwelttechnikingenieur:innen dauerhaft an.
In Kläranlagen und Wasserversorgungsunternehmen – bei Stadtwerken, Zweckverbänden oder privaten Betreibern – planst, betreibst und optimierst Du biologische und chemische Reinigungsprozesse für Abwasser und Trinkwasser. In Ingenieurbüros für Umwelttechnik – von kleinen Spezialbüros bis zu großen Planungsgesellschaften – planst Du Kläranlagen, Biogasanlagen und Abluftreinigungssysteme für kommunale und industrielle Auftraggeber. In der Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft – bei Entsorgungsunternehmen, Kompostierwerken oder Biogasanlagenbetreibern – entwickelst Du Konzepte für die nachhaltige Verwertung organischer Abfälle. In der Industrie – bei Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelunternehmen – betreibst Du betriebliche Abwasserreinigungsanlagen und Abluftreinigungssysteme und sicherst die Einhaltung von Umweltauflagen. In Umweltbehörden – Landesumweltämtern, Wasserwirtschaftsämtern oder dem Umweltbundesamt – überwachst Du Umweltstandards und bewertest Genehmigungsanträge. In der Entwicklungszusammenarbeit – bei GIZ, KfW oder UN-Umweltprogrammen – arbeitest Du an Umwelt- und Sanitärprojekten in Ländern des Globalen Südens.
Absolvent:innen der Bio- und Umwelttechnik profitieren von der stabilen Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Im Einstieg liegen die Bruttojahresgehälter typischerweise zwischen 36.000 und 50.000 Euro. In kommunalen Betrieben und Behörden mit Tarifbindung – TVöD – sind Einstiegsgehälter von 38.000 bis 50.000 Euro üblich. In Ingenieurbüros und der Industrie sind 36.000 bis 52.000 Euro realistisch. Mit Masterabschluss, Berufserfahrung und Spezialisierung steigen die Gehälter auf 52.000 bis 70.000 Euro und mehr.
Bio- und Umwelttechnik ist das Studium für alle, die Umweltschutz nicht als Gesinnung, sondern als Ingenieuraufgabe verstehen – die Kläranlagen planen, Biogasanlagen optimieren und Böden sanieren wollen. Du arbeitest an den technischen Grundlagen einer nachhaltigen Gesellschaft und trägst dazu bei, Wasser, Luft und Boden sauber zu halten. In einer Zeit, in der Klimaschutz und Ressourceneffizienz politisch und wirtschaftlich ganz oben stehen, ist das ein Studiengang mit echter Zukunft.
