Studium
Menschen in Not begleiten – aus einem Glauben heraus, der nicht predigt, sondern handelt. Suchtkranke, die einen neuen Anfang wagen. Obdachlose, die Unterkunft und Würde zurückgewinnen. Geflüchtete, die Orientierung im fremden Land suchen. Sterbende, die in ihrer letzten Phase begleitet werden. Diakonie – vom griechischen „diakonein", dienen – ist das soziale Handeln der evangelischen Kirche: einer der größten Wohlfahrtsverbände Deutschlands mit über 600.000 Mitarbeitenden in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen, Schulen und sozialen Diensten. Diakoniewissenschaft ist das Studium, das theologisches Denken und soziales Handeln verbindet: Es erforscht die theologischen Grundlagen der Diakonie, bildet für die diakonische Praxis aus und bereitet auf Führungsaufgaben in kirchlich-sozialen Einrichtungen vor. Im Unterschied zu Sozialer Arbeit – die ohne konfessionelle Bindung breiter aufgestellt ist – und zu Evangelischer Theologie – die stärker auf Pfarramt und Wissenschaft ausgerichtet ist – ist Diakoniewissenschaft die Disziplin des theologisch fundierten sozialen Handelns. Es ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.), der an evangelischen Hochschulen angeboten wird und in Berufsfelder in der Diakonie, der kirchlichen Sozialarbeit und dem Diakonat führt.
Diakoniewissenschaft wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.) an evangelischen Hochschulen angeboten – darunter die Evangelische Hochschule Ludwigsburg als eine der bekanntesten Adressen, die Evangelische Hochschule Nürnberg (EVHN) mit dem Studiengang Diakonik, die FH Diakonie in Bielefeld sowie weitere kirchliche Hochschulen. An der EH Ludwigsburg wird Diakoniewissenschaft in Kombination mit Sozialer Arbeit studiert – nach neun Semestern erwerben Studierende beide Abschlüsse und können in den Diakonat eingesegnet werden. Die Regelstudienzeit beträgt sieben bis acht Semester. Diakoniewissenschaft ist stärker theologisch ausgerichtet als reine Soziale Arbeit und stärker praxisorientiert als Evangelische Theologie.
Das Studium verbindet theologische, sozialwissenschaftliche und diakonisch-praktische Inhalte. Theologische Grundlagen der Diakonie zeigen Dir die biblischen und historischen Wurzeln des diakonischen Handelns: Was bedeutet „Dienst am Nächsten" biblisch und theologisch? Wie hat sich Diakonie von der Urgemeinde über die Wichern-Bewegung des 19. Jahrhunderts bis zur modernen Wohlfahrtspflege entwickelt? Systematische Theologie und Sozialethik zeigen Dir die theologischen Grundlagen des sozialen Handelns: Menschenwürde, Gerechtigkeit, Solidarität und christliche Ethik als Fundament diakonischer Praxis. Kirchenkunde und Ekklesiologie zeigen Dir, wie Kirche und Diakonie zusammenhängen und wie sich Diakonie in verschiedenen kirchlichen Strukturen organisiert. Soziale Arbeit und Sozialwissenschaften – Methoden der Sozialen Arbeit, Sozialrecht, Sozialpädagogik – bilden den fachlich-praktischen Kern. Diakonische Handlungsfelder zeigen Dir die Breite der diakonischen Praxis: Altenhilfe, Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Flüchtlingshilfe und Krankenhausseelsorge. Gemeindediakonie und Gemeinwesenarbeit zeigen Dir die Verbindung von Kirchengemeinde und sozialem Quartiersleben. Seelsorge und Spiritual Care zeigen Dir die seelsorgliche Begleitung von Menschen in Krisen, Krankheit und Sterben – ein zentrales diakonisches Handlungsfeld. Leitungskompetenzen und Diakonisches Management bereiten Dich auf Führungsaufgaben in kirchlich-sozialen Einrichtungen vor. Praxissemester in diakonischen Einrichtungen sind Pflichtbestandteil.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für den Bachelor Diakoniewissenschaft wird die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife vorausgesetzt. An vielen evangelischen Hochschulen ist die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche Pflicht – ebenso der Nachweis über eine mindestens sechsmonatige bis zwölfmonatige praktische Tätigkeit in einer sozialen oder kirchlichen Einrichtung sowie ehrenamtliches Engagement in der Kirchengemeinde oder Jugendarbeit. Der Studiengang kann an manchen Hochschulen auch ohne Aufnahme in die Diakonatsausbildung und ohne Kirchenmitgliedschaft studiert werden – dann entfallen diese Voraussetzungen. Informiere Dich direkt bei der jeweiligen Hochschule über genaue Anforderungen.
Diakoniewissenschaftler:innen arbeiten in einem der größten Arbeitgeber Deutschlands – der Diakonie mit über 600.000 Beschäftigten – und in allen Bereichen kirchlich-sozialer Arbeit.
Als Diakon:in in der Kirchengemeinde – nach Einsegnung in den Diakonat – übernimmst Du Aufgaben in Gemeindearbeit, Jugendarbeit, Seelsorge und Gemeinwesenarbeit als ordiniertes kirchliches Amt. In diakonischen Einrichtungen – Krankenhäusern, Pflegeheimen, Beratungsstellen, Jugendhilfeeinrichtungen oder Schulen in kirchlicher Trägerschaft – arbeitest Du in der direkten Begleitung von Menschen oder in leitenden Positionen. In der Krankenhausseelsorge und Spiritual Care – in evangelischen Krankenhäusern oder als ökumenische:r Seelsorger:in – begleitest Du Patient:innen, Angehörige und Mitarbeitende in existenziellen Situationen. In der diakonischen Sozialarbeit – in Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe, Flüchtlingsarbeit oder Altenhilfe – bringst Du Dein theologisch fundiertes Berufsverständnis in die direkte Begleitung von Menschen ein. In Leitungs- und Managementfunktionen diakonischer Einrichtungen – als Einrichtungsleiter:in, Bereichsleiter:in oder in der Verbandsverwaltung – verbindest Du theologische Grundlagen mit betriebswirtschaftlicher Führungskompetenz.
Das Gehalt in der Diakoniewissenschaft richtet sich nach den kirchlichen Tarifwerken – AVR Diakonie oder AVR EKD – die sich am TVöD orientieren. Im Einstieg liegen die Bruttojahresgehälter typischerweise zwischen 32.000 und 46.000 Euro. Als Diakon:in in der Gemeinde oder in einer diakonischen Einrichtung sind ähnliche Werte üblich. In Leitungspositionen diakonischer Einrichtungen steigen die Gehälter auf 46.000 bis 65.000 Euro und mehr. Diakoniewissenschaft ist kein Hochverdienstfach – aber eines mit hoher Sinnhaftigkeit, stabiler Nachfrage und einem der größten Arbeitgeber Deutschlands als Hintergrund.
Diakoniewissenschaft ist das Studium für alle, die ihren Glauben nicht in der Kirche lassen wollen – sondern ihn in die Welt tragen, wo Menschen Hilfe brauchen. Du lernst, theologisch zu denken und diakonisch zu handeln: in Krankenhäusern, Beratungsstellen, Gemeindearbeit und sozialen Einrichtungen. Es ist ein Studium für Menschen mit klarer Wertehaltung, echtem Mitgefühl und dem Mut, in einem der bedeutsamsten sozialen Berufsfelder Verantwortung zu übernehmen.
