Ausbildung

Studium

Ohne Elektrotechnik läuft buchstäblich nichts: kein Smartphone, kein Elektroauto, kein Windrad, kein Krankenhaus-Monitor, kein Internet. Elektrotechnik ist die Ingenieursdisziplin, die hinter allem steckt, was Strom erzeugt, überträgt, steuert oder verarbeitet – und damit hinter nahezu jeder technischen Entwicklung der letzten 150 Jahre. Wer Elektrotechnik studiert, lernt, wie elektrische und elektronische Systeme funktionieren, wie man sie entwirft, berechnet und optimiert – vom winzigen Mikrochip bis zum Hochspannungsnetz, das ganze Kontinente mit Energie versorgt. Elektrotechnik ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc.), der Mathematik, Physik und Ingenieurpraxis zu einem der vielseitigsten und zukunftssichersten Studiengänge überhaupt verbindet. In einer Welt, die sich elektrifiziert, digitalisiert und automatisiert, sind Elektroingenieur:innen gefragter denn je.

Dieses Studium passt zu Dir, wenn Du …

  • Mathematik und Physik zu Deinen Stärken zählst und keine Scheu vor Formeln, Gleichungen und abstraktem Denken hast
  • Dich schon immer gefragt hast, wie Geräte, Schaltkreise oder elektronische Systeme funktionieren
  • gerne tüftelst, Dinge auseinandernimmst und verstehen möchtest, was dahintersteckt
  • Dich für Themen wie erneuerbare Energien, Elektromobilität, künstliche Intelligenz oder Robotik begeisterst
  • sowohl theoretisch analysieren als auch praktisch im Labor oder an echten Systemen arbeiten möchtest
  • einen Studiengang mit exzellenten Berufsaussichten und einer riesigen Bandbreite an Einsatzfeldern suchst
  • Informatik interessant findest und Dir vorstellen kannst, an der Schnittstelle von Hardware und Software zu arbeiten

Studienüberblick und Studieninhalte

Elektrotechnik wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc.) an nahezu allen deutschen Universitäten und Fachhochschulen mit ingenieurwissenschaftlichem Profil angeboten – darunter die TU München, die RWTH Aachen, die TU Berlin, die Universität Stuttgart, die TU Darmstadt sowie zahlreiche Hochschulen für angewandte Wissenschaften in allen Bundesländern. Universitäre Programme sind stärker forschungs- und theorieorientiert, Fachhochschulprogramme praxisnäher mit mehr Industriekontakt. Beide führen zum B.Sc. und berechtigen zu einem weiterführenden Masterstudium. Die Regelstudienzeit beträgt in der Regel sechs bis sieben Semester. Viele Hochschulen bieten Elektrotechnik auch als duales Studium in Kooperation mit Unternehmen an.

In den ersten Semestern baust Du das mathematisch-naturwissenschaftliche Fundament auf, das für alle elektrotechnischen Berechnungen unerlässlich ist. Höhere Mathematik – Analysis, lineare Algebra, Differentialgleichungen und Fourier-Transformation – ist das wichtigste Werkzeug der Elektrotechnik und nimmt in den ersten beiden Semestern einen großen Raum ein. Physik – insbesondere Elektrizitätslehre, Magnetismus und Optik – legt das physikalische Verständnis für elektrische und elektromagnetische Phänomene. Grundlagen der Elektrotechnik vermitteln Dir die fundamentalen Konzepte: elektrische Spannung, Strom und Widerstand, Ohmsches Gesetz, Kirchhoffsche Gesetze, Gleich- und Wechselstromkreise. Elektronik und Schaltungstechnik zeigen Dir, wie elektronische Bauelemente – Widerstände, Kondensatoren, Transistoren, Dioden – in Schaltkreisen zusammenwirken und wie Verstärker, Filter und andere grundlegende Schaltungen aufgebaut werden.

Im weiteren Verlauf verzweigt sich das Studium in die zentralen Teildisziplinen der Elektrotechnik. Nachrichtentechnik und Signalverarbeitung zeigen Dir, wie Signale – ob Sprache, Musik, Bild oder Daten – übertragen, codiert, komprimiert und wieder rekonstruiert werden. Das ist die Grundlage für Mobilfunk, Streaming, Satellitennavigation und drahtlose Kommunikation jeder Art. Energietechnik und elektrische Maschinen vermitteln Dir, wie elektrische Energie erzeugt, übertragen und in mechanische Bewegung umgewandelt wird – das Herzstück der Energiewende und der Elektromobilität. Regelungstechnik zeigt Dir, wie technische Systeme automatisch gesteuert und geregelt werden – von der Heizungsregelung bis zum Autopiloten. Mikrosystemtechnik und Halbleitertechnik führen Dich in die Welt der integrierten Schaltkreise und Mikrochips ein, auf denen die gesamte digitale Welt basiert. Messtechnik vermittelt Dir, wie elektrische und physikalische Größen präzise erfasst und ausgewertet werden.

Ab dem dritten Studienjahr bieten die meisten Hochschulen Vertiefungsrichtungen an, aus denen Du wählen kannst – typische Schwerpunkte sind Energietechnik und erneuerbare Energien, Nachrichtentechnik und Kommunikationssysteme, Automatisierungstechnik und Robotik, Mikro- und Nanoelektronik, Medizintechnik oder Embedded Systems. Praktika im Labor und ein Industriepraktikum sind an den meisten Hochschulen Pflichtbestandteile. Die Bachelorarbeit wird häufig in Kooperation mit einem Unternehmen oder in einem Forschungslabor der Hochschule durchgeführt.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Analytisches und systematisches Denken beim Lösen komplexer technischer Probleme
  • Ausdauer und Frustrationstoleranz – elektrotechnische Berechnungen und Laborexperimente erfordern Geduld
  • Teamfähigkeit in Projektgruppen und interdisziplinären Entwicklungsteams
  • Kommunikationsstärke für technische Dokumentationen, Präsentationen und die Zusammenarbeit mit nicht-technischen Fachbereichen
  • Neugier und die Bereitschaft, sich kontinuierlich in neue Technologien einzuarbeiten
  • Verantwortungsbewusstsein – fehlerhafte elektrische Systeme können gefährlich sein

Wichtige Hard Skills

  • Solide Kenntnisse in Mathematik und Physik – idealerweise auf Leistungskursniveau
  • Logisches Denkvermögen und räumliche Vorstellungskraft für die Arbeit mit Schaltplänen und Systemen
  • Grundkenntnisse in Programmierung, besonders C und C++, sind ein echter Vorteil (werden im Studium aufgebaut)
  • Kenntnisse in Simulationssoftware wie MATLAB/Simulink oder SPICE (werden im Studium vermittelt)
  • Sehr gute Englischkenntnisse für internationale Fachliteratur, Normen und globale Projektzusammenarbeit

Zugangsvoraussetzungen

Für den Bachelor Elektrotechnik wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder – an Fachhochschulen – die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Gute Noten in Mathematik und Physik sind keine formale Pflicht, aber faktisch entscheidend: Das erste Studienjahr mit Höherer Mathematik, Physik und Grundlagen der Elektrotechnik ist die größte Hürde, an der viele Studierende scheitern, die mathematisch schwächer aufgestellt sind. Ein Vorpraktikum in einem elektrotechnischen oder elektronischen Betrieb – etwa bei einem Elektrounternehmen, einem Maschinenbauer oder in der Industrie – ist an vielen Hochschulen Pflicht oder wird dringend empfohlen; es verschafft Dir einen ersten Einblick in die praktische Seite des Fachs. Der NC variiert je nach Hochschule; an vielen Fachhochschulen und einigen Universitäten ist das Fach zulassungsfrei. Informiere Dich frühzeitig bei der jeweiligen Hochschule über aktuelle Anforderungen.

Typische Berufsfelder, Perspektiven und Weiterbildung nach dem Studium

Elektrotechnik-Absolvent:innen gehören zu den meistgesuchten Fachkräften auf dem deutschen und internationalen Arbeitsmarkt. Der Fachkräftemangel in diesem Bereich ist strukturell und wird durch die Energiewende, die Digitalisierung und die Elektromobilität weiter verstärkt – was die Verhandlungsposition für Absolvent:innen ausgezeichnet macht.

In der Entwicklung und Konstruktion arbeitest Du bei Unternehmen wie Siemens, Bosch, Continental, Infineon, ABB oder Schneider Electric an der Entwicklung neuer elektrischer und elektronischer Systeme – von Antriebssystemen für Elektroautos über Leistungselektronik für Windkraftanlagen bis zu Chips für Smartphones. In der Automatisierungs- und Steuerungstechnik entwickelst und programmierst Du Systeme, die industrielle Prozesse automatisch überwachen und regeln – ein Kernbereich von Industrie 4.0 und der modernen Fabrik. In der Energietechnik und dem Energiemanagement planst und betreibst Du elektrische Netze, Kraftwerke, Solarparks oder Energiespeichersysteme – eines der wachstumsstärksten Felder der kommenden Jahrzehnte. In der Nachrichtentechnik und Telekommunikation arbeitest Du an Mobilfunknetzen, Satellitenkommunikation, Glasfaserinfrastruktur oder drahtlosen Übertragungssystemen – bei Unternehmen wie Deutsche Telekom, Nokia, Ericsson oder Qualcomm.

In der Medizintechnik verbindest Du elektrotechnisches Wissen mit medizinischen Anwendungen: bildgebende Geräte wie MRT und CT, Herzschrittmacher, Hörgeräte und Beatmungsgeräte sind elektrotechnische Hochleistungsprodukte, deren Entwicklung spezialisierte Ingenieur:innen erfordert. Im öffentlichen Dienst und in Behörden – bei Bundesnetzagentur, TÜV, Bundeswehr oder kommunalen Versorgungsunternehmen – sind Elektroingenieur:innen in der Regulierung, Prüfung und dem Betrieb öffentlicher Infrastruktur tätig. Für Führungspositionen, eigenverantwortliche Planungsleistungen und eine Karriere in der Forschung ist ein Masterabschluss empfehlenswert.

Aufbauende Studiengänge und mögliche Masterstudiengänge

Nach dem Bachelor in Elektrotechnik stehen Dir zahlreiche Masterstudiengänge offen, die eine fachliche Vertiefung oder thematische Erweiterung ermöglichen. Mögliche Optionen sind unter anderem:

  • Elektrotechnik (Master) – direkte Vertiefung mit Schwerpunkten in Energietechnik, Nachrichtentechnik, Automatisierungstechnik oder Mikrosystemtechnik
  • Elektrische Energietechnik (Master) – für Tätigkeiten in der Stromversorgung, Netztechnik und erneuerbaren Energien
  • Nachrichtentechnik oder Communications Engineering (Master) – für Mobilfunk, Satellitenkommunikation und drahtlose Systeme
  • Embedded Systems oder Systems Engineering (Master) – für die Entwicklung eingebetteter Software-Hardware-Systeme
  • Automatisierungstechnik oder Robotik (Master) – für autonome Systeme, industrielle Automation und KI-gestützte Steuerung
  • Medizintechnik (Master) – für die Entwicklung medizinischer Geräte und Systeme
  • Informatik oder Computer Engineering (Master) – für eine stärkere Ausrichtung auf Software, Algorithmen und digitale Systeme
  • Wirtschaftsingenieurwesen (Master) – für die Kombination technischer Kompetenz mit betriebswirtschaftlicher Führungsverantwortung
  • Quantentechnologie oder Halbleitertechnik (Master) – für Zukunftstechnologien in Mikroelektronik und Quantencomputing

Gehalt im Beruf

Elektroingenieur:innen gehören zu den bestbezahlten Ingenieur:innen in Deutschland – der strukturelle Fachkräftemangel sorgt dafür, dass die Gehälter überdurchschnittlich hoch sind und weiter steigen. Im Einstieg nach dem Bachelor liegen die Bruttojahresgehälter typischerweise zwischen 40.000 und 55.000 Euro, je nach Branche und Unternehmensgröße. In der Automobilindustrie und bei großen Technologiekonzernen wie Siemens, Bosch oder Infineon sind Einstiegsgehälter von 48.000 bis 62.000 Euro möglich. Im öffentlichen Dienst und bei Versorgungsunternehmen richtet sich die Vergütung nach dem TVöD und liegt im Einstieg zwischen 42.000 und 54.000 Euro. Mit einem Masterabschluss steigen die Einstiegsgehälter auf 50.000 bis 68.000 Euro; mit Berufserfahrung, Spezialisierung und in Führungspositionen sind 70.000 bis 100.000 Euro und mehr erreichbar. Die Elektrotechnikbranche profitiert zudem von attraktiven Tarifverträgen – der Metalltarif und der Chemietarif decken viele Arbeitgeber ab und sichern Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie gute Sozialleistungen.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Mechatronik (B.Sc.) – Kombination aus Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik für mechatronische Systeme
  • Informationstechnik (B.Sc.) – stärkerer Fokus auf Kommunikationssysteme und Signalverarbeitung
  • Maschinenbau (B.Sc.) – für alle, die stärker auf mechanische Systeme als auf elektrische Systeme setzen möchten
  • Informatik (B.Sc.) – für alle, die mehr auf der Softwareseite als auf der Hardwareseite arbeiten möchten
  • Physik (B.Sc.) – für eine stärker theoretisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit elektrischen Phänomenen
  • Energietechnik (B.Sc.) – für einen direkten Fokus auf Energieerzeugung, -übertragung und -speicherung
  • Embedded Systems Engineering (B.Sc.) – für einen frühen Fokus auf eingebettete Systeme und Mikrokontroller
  • Elektroniker:in für Automatisierungstechnik oder Geräte und Systeme (Ausbildung) – für einen praxisnahen Einstieg ins Feld ohne Studium

Strom, Signale, Systeme – Elektrotechnik als Studium für die Welt von morgen

Elektrotechnik ist das Studium für alle, die verstehen wollen, wie die technisierte Welt funktioniert – und die aktiv daran mitwirken wollen, sie weiterzuentwickeln. Du lernst, elektrische und elektronische Systeme zu analysieren, zu entwerfen und zu optimieren: für die Energiewende, die Elektromobilität, die Digitalisierung und die Medizin der Zukunft. Wenn Du mathematisch denkst, technisch neugierig bist und Dich für eines der vielfältigsten und zukunftssichersten Berufsfelder überhaupt interessierst, wirst Du in der Elektrotechnik genau den richtigen Startpunkt finden.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.