Ausbildung
Als Fachpraktiker:in im Dachdeckerhandwerk arbeitest du an und auf Gebäuden – du hilfst dabei, Dächer zu decken, abzudichten und instand zu halten. Ob Ziegel, Schiefer, Bitumenbahnen oder Dachfolie: Du lernst, wie verschiedene Materialien auf einem Dach verarbeitet werden, damit kein Wasser ins Gebäude kommt und das Dach lange hält. Dieser Beruf ist körperlich aktiv, findet zum großen Teil draußen statt und ist ideal für dich, wenn du keine Angst vor Höhe hast, gerne anpackst und ein Handwerk lernen möchtest, das wirklich gebraucht wird. Die Ausbildung ist speziell auf Menschen zugeschnitten, die besondere Unterstützung beim Lernen benötigen, und begleitet dich Schritt für Schritt.
Das Dachdeckerhandwerk dreht sich um alles, was mit dem Dach eines Gebäudes zu tun hat. Als Fachpraktiker:in lernst du die wichtigsten Arbeiten, die beim Decken und Instandhalten von Dächern anfallen. Ein zentraler Bereich ist das Dachdecken mit verschiedenen Materialien. Du lernst, wie Dachziegel, Dachpfannen oder Schiefer verlegt werden – ordentlich, Reihe für Reihe, damit das Dach dicht ist und gut aussieht. Du lernst, wie man Latten und Kontterlatten befestigt, auf denen die Ziegel liegen, und wie man Firstziegel und Ortgangziegel richtig setzt.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Abdichtung von Flachdächern und anderen Dachflächen. Hier lernst du, wie Bitumenbahnen oder Dachfolien verlegt und miteinander verschweißt oder verklebt werden, damit kein Wasser eindringen kann. Auch das Anbringen von Dachdämmung, also dem Material, das das Gebäude vor Kälte und Hitze schützt, gehört zu deinen Lernaufgaben.
Darüber hinaus lernst du, wie man Regenrinnen und Fallrohre anbringt und befestigt, wie man Dachfenster einbaut und abdichtet und wie man kleine Reparaturen und Ausbesserungen an bestehenden Dächern durchführt. Sicherheit auf dem Dach ist dabei das Wichtigste: Du lernst von Anfang an, wie man Sicherungsseile und Leitern richtig verwendet und wie man sich und andere auf der Baustelle schützt.
Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe der Ausbildung und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Die Ausbildung zur Fachpraktiker:in im Dachdeckerhandwerk ist eine zweijährige Berufsausbildung nach § 66 Berufsbildungsgesetz (BBiG) und § 42r Handwerksordnung (HwO). Sie richtet sich an Menschen, die aufgrund einer Behinderung die reguläre Dachdeckerausbildung (drei Jahre) nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten absolvieren können. Einen bestimmten Schulabschluss brauchst du formal nicht – ein Förderschulabschluss oder ein einfacher Hauptschulabschluss reicht in der Regel aus. Körperliche Eignung ist bei diesem Beruf besonders wichtig: Du musst schwindelfrei sein, körperlich belastbar und in der Lage, auf Dächern und Leitern sicher zu arbeiten. Ein ärztliches Attest zur Schwindelfreiheit und körperlichen Eignung kann bei der Bewerbung verlangt werden. Du bewirbst dich bei Dachdeckerbetrieben oder Berufsbildungswerken, die diese Ausbildung anbieten. Die Berufsschule begleitet die Ausbildung fachlich und ist auf den Förderbereich ausgerichtet.
Nach der Ausbildung arbeitest du in Dachdeckerbetrieben, bei Baufirmen mit eigenem Dachdeckerteam oder bei spezialisierten Abdichtungsunternehmen. Dachdeckerfachkräfte werden bundesweit gesucht – der Bedarf ist hoch und wird durch die wachsende Bedeutung von Dachbegrünung, Solaranlagen und energetischer Gebäudesanierung noch größer. Je nach Betrieb und persönlicher Entwicklung kannst du dich auf bestimmte Bereiche spezialisieren – etwa Flachdachabdichtung, Schieferdeckung oder die Montage von Solarpanelen auf Dächern.
Wer nach der Ausbildung merkt, dass er oder sie mehr leisten kann, hat die Möglichkeit, durch eine Externenprüfung oder Anrechnung von Ausbildungszeiten in Richtung der regulären Dachdeckerausbildung weiterzugehen. Auch Weiterbildungen in verwandten Bereichen – etwa Klempner- und Flaschnerhandwerk oder die Montage von Photovoltaikanlagen – sind möglich. Die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt helfen dabei, den richtigen nächsten Schritt zu finden.
Dein Arbeitsalltag beginnt auf der Baustelle – du fährst mit deinem Team zum Einsatzort, richtest Leitern und Sicherungen ein und bereitest Materialien vor. Dann geht es aufs Dach: Je nach Auftrag verlegst du Ziegel, schweißt Bitumenbahnen, bringst Dämmplatten an oder reparierst beschädigte Stellen. Du arbeitest in einer Gruppe und stimmst dich ständig mit deinen Kolleg:innen ab – wer hält das Material, wer verlegt, wer sichert.
Das Wetter spielt bei diesem Beruf eine große Rolle: An heißen Sommertagen kann die Arbeit auf dem Dach sehr warm sein, bei Wind ist besondere Vorsicht geboten, und bei Regen oder Eis wird die Arbeit unterbrochen. Du lernst, damit umzugehen und weißt, wann Arbeiten sicher sind und wann nicht. Am Ende des Tages siehst du, was du gemacht hast – ein frisch gedecktes Dach, eine dichte Fläche oder eine sauber angebrachte Rinne. Das ist ein gutes Gefühl.
Während der zweijährigen Ausbildung erhältst du eine Ausbildungsvergütung, die je nach Betrieb und Tarif zwischen etwa 600 und 900 Euro brutto im Monat liegen kann – das Dachdeckerhandwerk zahlt in der Ausbildung vergleichsweise gut. In Berufsbildungswerken oder sozialen Einrichtungen kann die Vergütung abweichen – frag direkt beim Ausbildungsbetrieb nach. Nach der Ausbildung richtet sich dein Gehalt nach dem geltenden Tarif im Dachdeckerhandwerk. Einsteiger:innen können mit einem Gehalt von etwa 2.000 bis 2.500 Euro brutto rechnen, mit Berufserfahrung und Spezialisierung ist mehr möglich. Menschen mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf bestimmte Förderungen und Nachteilsausgleiche – die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt helfen dir, die passenden Unterstützungsangebote zu finden.
Als Fachpraktiker:in im Dachdeckerhandwerk arbeitest du buchstäblich über den Dächern – mit freiem Blick, frischer Luft und der Gewissheit, dass deine Arbeit Gebäude schützt und lange Bestand hat. Wenn du keine Angst vor Höhe hast, körperlich fit bist und ein Handwerk lernen möchtest, das draußen stattfindet und überall gefragt ist, ist diese Ausbildung ein mutiger und lohnender Schritt in die Arbeitswelt.