Ausbildung
Im Maler- und Lackiererhandwerk dreht sich alles um die Gestaltung und den Schutz von Oberflächen – in Innenräumen und an Fassaden. Als Fachpraktiker:in lernst du die wichtigsten Arbeitsschritte, die auf einer Baustelle oder in einer Renovierung täglich anfallen. Ein zentrales Aufgabenfeld ist das Streichen und Lackieren. Du lernst, wie Farbe richtig angerührt und aufgetragen wird – mit Pinsel, Rolle oder Spritzpistole – wie man Kanten sauber abklebt und abdeckt und wie man verschiedene Untergründe vorbereitet, damit der Anstrich hält. Du lernst außerdem, wie verschiedene Farben und Lacke sich unterscheiden und welche für welchen Einsatz geeignet sind.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Tapezieren. Du lernst, wie Wände für das Tapezieren vorbereitet werden, wie Tapeten zugeschnitten, eingeweicht und blasenfrei an die Wand gebracht werden und wie man Muster richtig anschließt. Du lernst außerdem, wie alte Tapeten entfernt, Risse gespachtelt und Unebenheiten ausgeglichen werden, damit der neue Anstrich oder die neue Tapete gleichmäßig sitzt.
Im Bereich Fassadengestaltung und Außenanstrich lernst du, wie Außenfassaden gestrichen, verputzt und mit Wetterschutzanstrichen versehen werden. Du lernst, wie man Gerüste sicher benutzt, wie man Fensterrahmen und Türen lackiert und wie man Oberflächen mit dekorativen Techniken wie Spachteltechnik oder Strukturputz gestaltet. Sicherheit und Schutzkleidung – beim Umgang mit Lacken, Lösungsmitteln und auf Gerüsten – sind dabei von Anfang an wichtige Themen.
Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe der Ausbildung und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Die Ausbildung zur Fachpraktiker:in Maler:in und Lackierer:in ist eine zweijährige Berufsausbildung nach § 66 Berufsbildungsgesetz (BBiG) und § 42r Handwerksordnung (HwO). Sie richtet sich an Menschen, die aufgrund einer Behinderung die reguläre Ausbildung zum:r Maler:in und Lackierer:in (drei Jahre) nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten absolvieren können. Einen bestimmten Schulabschluss brauchst du formal nicht – ein Förderschulabschluss oder ein einfacher Hauptschulabschluss reicht in der Regel aus. Körperliche Eignung ist wichtig: Du solltest in der Lage sein, auf Leitern und Gerüsten zu arbeiten, körperlich aktiv zu sein und mit Farben, Lacken und Lösungsmitteln umzugehen. Bei bekannten Hauterkrankungen oder Allergien sollte vorab ein ärztlicher Rat eingeholt werden. Ein gültiger Führerschein der Klasse B ist von Vorteil. Du bewirbst dich bei Malerbetrieben, Renovierungsunternehmen oder Berufsbildungswerken, die diese Ausbildung anbieten. Die Berufsschule begleitet die Ausbildung fachlich und ist auf den Förderbereich ausgerichtet.
Nach der Ausbildung arbeitest du in Malerbetrieben, bei Baufirmen mit eigenem Malerteam, bei Wohnungsbaugesellschaften, in Renovierungsunternehmen oder in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die Maleraufträge übernehmen. Maler:innen und Lackierer:innen werden überall gebraucht – jedes Gebäude braucht früher oder später einen frischen Anstrich.
Wer nach der Ausbildung mehr leisten möchte, hat die Möglichkeit, durch eine Externenprüfung oder Anrechnung von Ausbildungszeiten in Richtung der regulären Maler- und Lackiererausbildung weiterzugehen. Auch Weiterbildungen in Bereichen wie Fassadendämmung, Vollwärmeschutz, dekorative Gestaltungstechniken oder Schimmelsanierung sind mögliche nächste Schritte. Die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt helfen dabei, die richtigen Förderangebote zu finden.
Dein Arbeitsalltag findet auf wechselnden Baustellen statt – in Wohnungen, Büros, öffentlichen Gebäuden oder an Fassaden. Du fährst mit deinem Team zur Baustelle, deckst Böden und Möbel ab, klebt Kanten ab und bereitest Oberflächen vor. Dann geht es ans Streichen, Lackieren oder Tapezieren – je nach Auftrag. Du arbeitest mit Pinsel, Rolle oder Spritzgerät und achtest immer darauf, dass die Übergänge sauber und die Flächen gleichmäßig werden.
Nach getaner Arbeit entfernst du Abdeckungen und Klebebänder, reinigst Werkzeuge und Geräte und hinterlässt die Baustelle sauber. Das Ergebnis deiner Arbeit ist sofort sichtbar – ein frisch gestrichener Raum, eine neu tapezierte Wand oder eine gepflegte Fassade. Das macht diesen Beruf besonders befriedigend: Kein anderes Handwerk verändert ein Gebäude so schnell und so sichtbar wie das Malerhandwerk.
Während der zweijährigen Ausbildung erhältst du eine Ausbildungsvergütung, die je nach Betrieb und Tarif zwischen etwa 550 und 850 Euro brutto im Monat liegen kann. In Berufsbildungswerken oder sozialen Einrichtungen kann die Vergütung abweichen – informiere dich direkt beim Ausbildungsbetrieb. Nach der Ausbildung richtet sich dein Gehalt nach dem geltenden Tarif im Maler- und Lackiererhandwerk. Einsteiger:innen können mit einem Gehalt von etwa 1.900 bis 2.400 Euro brutto rechnen. Mit Spezialisierungen – etwa in Fassadenbeschichtung oder dekorativer Gestaltung – und wachsender Erfahrung steigt das Einkommenspotenzial. Menschen mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf Förderungen und Nachteilsausgleiche – die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt helfen dir, die passenden Unterstützungsangebote zu finden.
Als Fachpraktiker:in Maler:in und Lackierer:in veränderst du Räume und Gebäude mit einem Werkzeug, das so einfach wie wirkungsvoll ist: Farbe. Kein anderes Handwerk schafft in so kurzer Zeit so ein sichtbares Ergebnis. Wenn du kreativ bist, ein Auge für Farben und saubere Arbeit hast und einen Beruf suchst, bei dem du jeden Tag einen Raum zum Strahlen bringst, ist das Maler- und Lackiererhandwerk eine bunte und lohnende Wahl für deinen Start ins Berufsleben.