Ausbildung
Als Fachpraktiker:in Winzer:in arbeitest du in einem der traditionsreichsten Landwirtschaftsberufe überhaupt – du pflegst Weinberge, pflegst Rebstöcke und hilfst bei der Weinherstellung. Du arbeitest draußen im Weinberg, sorgst für die Gesundheit der Reben, nimmst an der Weinlese teil und unterstützt in der Kellerwirtschaft beim Verarbeiten der Trauben. Dieser Beruf verbindet Natur, Handwerk und ein tiefes Gespür für Jahreszeiten und Pflanzen – ideal für dich, wenn du gerne draußen bist, Weinberge faszinierend findest und Freude daran hast, Teil eines Produktionsprozesses zu sein, der von der Rebe bis zum Weinglas reicht. Die Ausbildung ist speziell auf Menschen zugeschnitten, die besondere Unterstützung beim Lernen benötigen.
Der Weinbau teilt sich in zwei große Bereiche: die Arbeit im Weinberg – die Rebpflege – und die Arbeit im Keller – die Weinbereitung. Als Fachpraktiker:in lernst du die grundlegenden Tätigkeiten in beiden Bereichen. Im Weinberg lernst du alle jahreszeitlichen Pflegearbeiten kennen. Im Winter und Frühjahr werden die Reben geschnitten – das sogenannte Rebschneiden – um das Wachstum zu lenken und die Qualität der Trauben zu verbessern. Im Frühjahr werden Triebe angeheftet, im Sommer werden überschüssige Triebe ausgebrochen, Laub ausgedünnt und der Weinberg gepflegt. Im Herbst – dem Höhepunkt des Weinjahres – findet die Weinlese statt, bei der die reifen Trauben von Hand oder maschinell geerntet werden.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Kellerwirtschaft. Du lernst, wie geerntete Trauben angenommen, gewogen und verarbeitet werden – wie sie gemaischt, gepresst und in Tanks oder Fässer gefüllt werden. Du lernst, wie Tanks und Fässer gereinigt und gepflegt werden und wie einfache Kontrollen der Vergärung durchgeführt werden. Du lernst außerdem, wie fertige Weine vorbereitet, abgefüllt, etikettiert und für den Verkauf vorbereitet werden.
Im Bereich Weinbergspflege lernst du außerdem, wie Böden bearbeitet werden – mulchen, pflügen, düngen – wie Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und wie Bewässerungsanlagen bedient werden. Du lernst, wie einfache Maschinen und Geräte im Weinbau – Traktoren, Sprühgeräte, Erntemaschinen – bedient und gepflegt werden.
Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe der Ausbildung und deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Die Ausbildung zur Fachpraktiker:in Winzer:in ist eine zweijährige Berufsausbildung nach § 66 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Sie richtet sich an Menschen, die aufgrund einer Behinderung die reguläre Ausbildung zum:r Winzer:in (drei Jahre) nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten absolvieren können. Einen bestimmten Schulabschluss brauchst du formal nicht – ein Förderschulabschluss oder ein einfacher Hauptschulabschluss reicht in der Regel aus. Körperliche Eignung ist besonders wichtig: Du solltest in der Lage sein, körperlich anspruchsvolle Außenarbeit zu leisten – auch in Hanglagen, bei Hitze oder Regen, mit Wiederholungsbewegungen wie Schneiden und Heften über Stunden. Da du mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommst, sollte bei bekannten Allergien vorab ärztlicher Rat eingeholt werden. Ausbildungsplätze findest du vor allem in den deutschen Weinanbaugebieten – Rheinhessen, Pfalz, Mosel, Baden, Württemberg, Franken, Rheingau und anderen. Du bewirbst dich direkt bei Weingütern oder Berufsbildungswerken mit Weinbauausbildung. Die Berufsschule begleitet die Ausbildung und ist auf den Förderbereich ausgerichtet.
Nach der Ausbildung arbeitest du auf Weingütern, in Winzergenossenschaften, in Sektherstellungsbetrieben oder in der Qualitätskontrolle von Weinbaubetrieben. Da Weinbau an bestimmte Regionen gebunden ist, konzentrieren sich die Arbeitsplätze auf die deutschen Weinbaugebiete. Die Weinbranche ist eine Nische – aber eine mit langer Tradition, hohem Qualitätsanspruch und treuer Nachfrage.
Wer nach der Ausbildung mehr leisten möchte, hat die Möglichkeit, durch eine Externenprüfung oder Anrechnung von Ausbildungszeiten in Richtung der regulären Winzerausbildung weiterzugehen. Auch Weiterbildungen in Bereichen wie Weinverkostung und Sensorik, Önologie oder Weinmarketing sind mögliche nächste Schritte. Die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt helfen dabei, die richtigen Förderangebote zu finden.
Dein Berufsalltag folgt dem Rhythmus des Weinjahres – und kein Monat gleicht dem anderen. Im Winter schneidest du Reben, im Frühjahr heftst du Triebe an Drähte und brichst überschüssige Triebe aus. Im Sommer jätest du Unkraut, behandelst die Reben gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten und lichtest das Laub aus, damit die Trauben mehr Sonne bekommen. Im Herbst beginnt die Weinlese – in manchen Betrieben von Hand, in anderen maschinell – du erntest Traube für Traube, trägst schwere Körbe oder begleitest die Erntemaschine.
Im Keller hilfst du beim Einlesen der Trauben, beim Maischen und Pressen und beim Reinigen der Tanks. Du kontrollierst die Vergärung, füllst Wein um, bereitest Flaschen vor und klebst Etiketten auf. Dein Arbeitsalltag ist körperlich fordernd, findet überwiegend draußen in wunderschöner Landschaft statt und gibt dir das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein – denn Wein entsteht nicht in wenigen Tagen, sondern ist das Ergebnis eines ganzen Jahres Arbeit.
Während der zweijährigen Ausbildung erhältst du eine Ausbildungsvergütung, die je nach Betrieb und Tarif zwischen etwa 500 und 800 Euro brutto im Monat liegen kann. Weingüter sind oft Familienbetriebe, die nicht immer an Tarife gebunden sind – informiere dich direkt beim Ausbildungsbetrieb. Nach der Ausbildung richtet sich dein Gehalt nach dem jeweiligen Betrieb und dem geltenden Tarif in der Landwirtschaft oder im Weinbau. Einsteiger:innen können mit einem Gehalt von etwa 1.700 bis 2.200 Euro brutto rechnen. In der Erntezeit können Überstunden anfallen, die zusätzlich vergütet werden. Menschen mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf Förderungen und Nachteilsausgleiche – die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt helfen dir, die passenden Unterstützungsangebote zu finden.
Als Fachpraktiker:in Winzer:in arbeitest du in einem Beruf, der mehr ist als Arbeit – er ist ein Jahreskreislauf, eine Verbindung mit der Natur und die Freude daran, ein Produkt entstehen zu sehen, das Menschen auf der ganzen Welt genießen. Wenn du Geduld mitbringst, körperlich aktiv sein möchtest und in einer der schönsten Landschaften Deutschlands arbeiten willst, ist der Weinbau ein besonderer und lohnender Weg ins Berufsleben.