Studium
Wie konnte der Nationalsozialismus in einem zivilisierten Land entstehen? Was waren die wirtschaftlichen Ursachen der Französischen Revolution? Wie haben Kolonialmächte die Welt geprägt – und welche Folgen wirken bis heute? Wie lebten Menschen im Mittelalter – und wie anders war ihre Vorstellung von Gott, Macht und Gerechtigkeit? Geschichte ist die Wissenschaft, die diese Fragen systematisch untersucht – durch die kritische Analyse von Quellen, die Rekonstruktion vergangener Ereignisse und die Interpretation historischer Prozesse. Historiker:innen erforschen nicht einfach, „was wirklich gewesen ist" – sie fragen, welche Quellen überliefert sind, welche Perspektiven sie repräsentieren und welche Bedeutung wir Ereignissen und Strukturen rückblickend geben. Geschichte ist eine der ältesten und vielseitigsten geisteswissenschaftlichen Disziplinen – ein Studiengang, der kritisches Denken, Quellenarbeit, analytische Schreibkompetenz und historisches Kontextwissen auf höchstem Niveau ausbildet. Es ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.), der an nahezu allen deutschen Universitäten angeboten wird und in ein breites Berufsfeld in Bildung, Kultur, Medien und Verwaltung führt.
Geschichte wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.) an nahezu allen deutschen Universitäten angeboten – darunter die LMU München, die Humboldt-Universität Berlin, die Universität Heidelberg, die Universität Freiburg, die Universität Hamburg sowie viele weitere Standorte. Das Fach gehört zu den größten geisteswissenschaftlichen Studiengängen in Deutschland. Häufig wird Geschichte als Zwei-Fach-Bachelor oder im Lehramtsstudium in Kombination mit einem weiteren Fach studiert. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester. Geschichte gliedert sich traditionell in Epochen – Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Geschichte der Frühen Neuzeit, Neuere und Neueste Geschichte, Zeitgeschichte – und in thematische Teildisziplinen wie Wirtschaftsgeschichte, Kulturgeschichte, Sozialgeschichte und Globalgeschichte.
Das Studium verbindet historische Grundkenntnisse mit methodischen und theoretischen Kompetenzen. Einführung in die Geschichtswissenschaft zeigt Dir das methodische Handwerkszeug: Quellenkritik, Heuristik, Hermeneutik und die wichtigsten Theorien der Geschichtswissenschaft – Strukturgeschichte, Kulturgeschichte, Mikro- und Globalgeschichte. Alte Geschichte erschließt Dir die antiken Kulturen Griechenlands und Roms: Demokratie, Republik, Kaiserreich, antike Gesellschaft, Religion und Alltagsleben – auf Basis lateinischer und griechischer Quellen. Mittelalterliche Geschichte zeigt Dir Europa zwischen 500 und 1500: Feudalismus, Kreuzzüge, Städteentstehung, Kirche und Ketzerei, Schwarzer Tod und die Grundlagen des modernen Europas. Geschichte der Frühen Neuzeit zeigt Dir die Umbrüche zwischen 1500 und 1800: Reformation, Dreißigjähriger Krieg, Absolutismus, Aufklärung und die Entstehung moderner Staatsformen. Neuere Geschichte zeigt Dir das 19. Jahrhundert: Industrialisierung, Nationalismus, Imperialismus, soziale Frage und die großen revolutionären Bewegungen. Zeitgeschichte zeigt Dir das 20. und frühe 21. Jahrhundert: Weltkriege, Totalitarismus, Holocaust, Kalter Krieg, Dekolonisierung und die Gegenwart als historisches Problem. Globalgeschichte und Weltgeschichte zeigen Dir historische Prozesse jenseits des europäischen Blickwinkels: außereuropäische Kulturen, transnationale Verflechtungen und die Geschichte des Globalen Südens. Hilfswissenschaften – Paläographie, Diplomatik, Numismatik, Chronologie – zeigen Dir die praktischen Werkzeuge historischer Quellenarbeit.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für den Bachelor Geschichte wird die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt. Das Fach wird an nahezu allen Universitäten angeboten. Der NC ist an den meisten Standorten moderat oder das Fach ist zulassungsfrei. Lateinkenntnisse – Latinum – sind an manchen Universitäten für bestimmte Schwerpunkte Pflicht oder müssen bis zum Ende des zweiten Studienjahres nachgewiesen werden. Sehr gute Noten in Geschichte und Deutsch sind hilfreich. Ein Vorpraktikum ist keine Pflicht, aber erste Erfahrungen in Museen, Archiven oder Gedenkstätten geben wertvolle Orientierung.
Historiker:innen arbeiten in einem breiten Berufsfeld – überall dort, wo historisches Wissen, analytisches Denken und Schreibkompetenz gefragt sind.
Im Schuldienst als Geschichtslehrer:in – für die volle Lehramtsbefähigung ist ein Lehramtsstudiengang mit Master und Referendariat erforderlich – unterrichtest Du Geschichte als zentrales Orientierungsfach für das historische Bewusstsein junger Menschen. In Museen und Gedenkstätten – als Kurator:in, Wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in oder in der Bildungsarbeit – entwickelst Du Ausstellungen, pflegst Sammlungen und vermittelst Geschichte an das Publikum. In Archiven – als Archivar:in nach entsprechender Zusatzqualifikation – verwaltest und erschließt Du historische Dokumente für Wissenschaft und Öffentlichkeit. Im Journalismus und in Redaktionen – als Redakteur:in, Autor:in oder Historiker:in für Dokumentationen – schreibst und recherchierst Du historische Inhalte für verschiedene Medienformate. Im Verlagswesen – als Lektor:in oder Programmleiter:in mit Geschichtsschwerpunkt – begleitest Du Sachbücher, Biographien und historische Publikationen. In der Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation – als Kommunikationsmanager:in mit analytischer Qualifikation – bringst Du Deine Schreib- und Recherchekompetenz in strategische Kommunikationsaufgaben ein. In der Wissenschaft und Hochschullehre forschst Du zu historischen Fragestellungen und lehrst an Universitäten.
Das Gehalt nach einem Geschichtsstudium variiert stark je nach Berufsfeld. Als Geschichtslehrer:in im Beamtenstatus nach A13/A14 sind 46.000 bis 62.000 Euro erreichbar – mit klaren Steigerungen durch Erfahrungsstufen. In Museen und Kultureinrichtungen nach TVöD liegen die Einstiegsgehälter bei 28.000 bis 42.000 Euro. Im Journalismus zwischen 26.000 und 40.000 Euro. Im Verlagswesen zwischen 28.000 und 40.000 Euro. In der Unternehmenskommunikation 34.000 bis 50.000 Euro. In der Wissenschaft nach TVöD oder TV-L. Mit Berufserfahrung und Führungsverantwortung steigen die Gehälter in allen Feldern deutlich.
Geschichte ist das Studium für alle, die verstehen wollen, warum die Welt so ist, wie sie ist – und wer dafür verantwortlich ist. Du lernst, Quellen kritisch zu lesen, historische Prozesse zu analysieren und Erkenntnisse präzise und überzeugend zu formulieren. Es ist ein Studium, das breite intellektuelle Kompetenzen schult und in viele Berufsfelder führt – für alle, die verstehen, dass wer die Vergangenheit kennt, die Gegenwart besser begreift.
