Studium
Die Gitarre ist das meistgespielte Instrument der Welt – aber die klassische Konzertgitarre, um die es in diesem Studiengang geht, ist eine eigene Welt für sich. Weit entfernt von Popmusik und Rockkonzerten steht die klassische Gitarre in einer reichen Tradition, die von den spanischen Virtuosen des 19. Jahrhunderts über Andrés Segovia bis zu den zeitgenössischen Meister:innen des Instruments reicht. Wer klassische Gitarre an einer Musikhochschule studiert, taucht ein in ein faszinierendes, vielseitiges Repertoire – von Renaissance- und Barockmusik über die großen romantischen Werke bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen, die eigens für die Gitarre geschrieben wurden. Es ist ein Studium, das technische Virtuosität mit klanglicher Sensibilität und historischem Bewusstsein verbindet. Der Bachelor of Music (B.Mus.) im Fach Gitarre wird an deutschen Musikhochschulen angeboten und führt in ein kleines, aber lebendiges Berufsfeld.
Klassische Gitarre wird als künstlerischer Bachelor-Studiengang (B.Mus.) an den meisten deutschen Musikhochschulen angeboten – darunter die Hochschule für Musik und Theater München, die Hochschule für Musik Köln, die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die Hochschule für Musik Freiburg, die Hochschule für Musik Frankfurt sowie mehrere weitere. Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester. Die Zulassung erfolgt ausschließlich über eine Eignungsprüfung. Die Gitarrenklassen sind in der Regel sehr klein – oft nehmen Hochschulen nur zwei bis vier Studierende pro Jahr auf.
Der Einzelunterricht im Hauptfach ist das Herzstück des Studiums: Du arbeitest wöchentlich mit Deiner Professorin oder Deinem Professor an Technik, Klang und Interpretation. Das Repertoire umfasst Lautenwerke und Barockstücke (oft auf der klassischen Gitarre gespielt oder auf historischen Instrumenten), die großen romantischen Werke von Fernando Sor, Mauro Giuliani und Francisco Tárrega, die folkloristisch-romantischen Stücke von Isaac Albéniz und Enrique Granados (ursprünglich für Klavier, aber heute Kernrepertoire der Gitarre), die revolutionären Werke von Heitor Villa-Lobos sowie die reiche zeitgenössische Gitarrenliteratur von Leo Brouwer, Roland Dyens und vielen anderen. Technikarbeit – rechte Hand, linke Hand, Anschlag, Fingernagelpflege – ist täglicher Bestandteil des Übens.
Kammermusik mit anderen Instrumenten – besonders in Duo-Besetzungen mit Flöte, Violine, Gesang oder einem zweiten Gitarristen – ist fester Studienbestandteil. Musiktheorie, Gehörbildung und Musikgeschichte ergänzen die künstlerische Ausbildung. An manchen Hochschulen gibt es Spezialisierungen in Flamencogitarre oder Jazz-Gitarre als Ergänzung – das kommt auf das Profil der jeweiligen Hochschule an.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Die Zulassung zum Gitarrenstudium erfolgt ausschließlich über eine Eignungsprüfung. Das Vorspiel umfasst in der Regel Werke aus mindestens drei verschiedenen Epochen – Barock, Klassik/Romantik und Moderne – sowie eine Pflichtaufgabe. Musiktheorie und Gehörbildung werden zusätzlich geprüft. Die formale Voraussetzung ist die allgemeine Hochschulreife. Das Spielniveau sollte dem Ende einer professionellen Vorausbildung entsprechen – typischerweise nach intensivem Unterricht bei einer qualifizierten Gitarrenlehrer:in und nach Wettbewerbserfahrungen. Da die Klassen sehr klein sind, ist die Konkurrenz hoch.
Das Berufsfeld für klassische Gitarrist:innen ist kleiner als für Pianist:innen oder Geiger:innen – es gibt keine festen Orchesterplätze für Gitarrist:innen – aber es ist vielfältiger als man denkt. Als Konzertgitarrist:in baust Du eine Solokarriere durch Konzerte, Festivals, Aufnahmen und Meisterkurse auf. Als Kammermusiker:in spielst Du in wechselnden Besetzungen – Gitarrenduos, Gitarre und Flöte, Gitarre und Gesang sind besonders beliebte Kombinationen. Als Gitarrenlehrer:in an Musikschulen oder in der Privatpraxis unterrichtest Du Schüler:innen aller Altersgruppen und Spielniveaus – ein stabiles und nachgefragtes Berufsfeld. An Musikhochschulen als Lehrbeauftragte:r oder Professor:in gibst Du Dein Wissen weiter. Viele klassische Gitarrist:innen bewegen sich stilistisch zwischen mehreren Feldern – klassisch, flamenco, zeitgenössisch, Jazz – und erschließen sich damit ein breiteres Publikum und Auftragsspektrum.
Das Einkommen klassischer Gitarrist:innen setzt sich meist aus mehreren Quellen zusammen: Konzerthonorare, Unterrichtstätigkeit, Aufnahmen und Meisterkurse. Als Gitarrenlehrer:in an einer öffentlichen Musikschule nach TVöD liegen die Jahresgehälter im Einstieg zwischen 35.000 und 48.000 Euro. Als freischaffende:r Konzertgitarrist:in variiert das Einkommen stark – von bescheiden im Karriereaufbau bis zu einem stabilen Einkommen bei etablierten Solist:innen. Da es keine Orchesterplätze für Gitarrist:innen gibt, ist die finanzielle Planung stärker auf Eigeninitiative angewiesen als bei anderen Instrumenten.
Klassische Gitarre zu studieren bedeutet, sich einem Instrument zu widmen, das leiser ist als die meisten anderen, aber in seiner Ausdruckskraft kaum zu übertreffen ist. Es ist ein Studium für Musiker:innen, die Intimität über Lautstärke stellen, die Nuancen lieben und die in der reichen Gitarrenliteratur eine Heimat gefunden haben. Der Weg ist schmal, die Konkurrenz ist groß – aber wer ihn geht, findet ein Berufsfeld, das so vielseitig und so tief ist wie das Instrument selbst.

Keine Jobs gefunden.