Studium
Immobilien sind eine der bedeutendsten Anlageklassen der Welt – und gleichzeitig die Grundlage für alles, was wir täglich tun: Wir wohnen in ihnen, arbeiten in ihnen, shoppen in ihnen und erholen uns in ihnen. Hinter jedem Bürogebäude, jedem Wohnhaus, jedem Einkaufszentrum und jedem Hotel stecken Menschen, die diesen Immobilien kaufen, verkaufen, verwalten, entwickeln und finanzieren. Genau das ist das Berufsfeld der Immobilienwirtschaft. Wer Immobilienwirtschaft oder Immobilienmanagement studiert, lernt die wirtschaftliche, rechtliche und finanzielle Seite der Immobilienbranche kennen – von der Immobilienbewertung über das Portfoliomanagement bis zur Projektentwicklung. Es ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc. oder B.A.), der je nach Hochschule unter verschiedenen Namen angeboten wird: Immobilienwirtschaft, Immobilienmanagement, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Real Estate Management oder Real Estate und Facility Management. Die inhaltlichen Unterschiede zwischen diesen Varianten sind gering – entscheidend ist das Profil der jeweiligen Hochschule.
Immobilienwirtschaft und Immobilienmanagement werden als grundständige Bachelor-Studiengänge an Fachhochschulen, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und privaten Hochschulen angeboten – darunter die EBZ Business School Bochum, die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), die Hochschule Biberach, die Technische Hochschule Aschaffenburg, die IU Internationale Hochschule sowie mehrere weitere. An Universitäten ist das Fach seltener als eigenständiger Bachelor vertreten; dort wird es eher als Spezialisierung innerhalb der BWL oder im Masterstudium angeboten. Die Regelstudienzeit beträgt in der Regel sechs bis sieben Semester. Viele Programme bieten duale Varianten in Kooperation mit Immobilienunternehmen, Wohnungsgesellschaften oder Maklerfirmen an.
Das Studium verbindet betriebswirtschaftliche Grundlagen mit immobilienspezifischen Fachkenntnissen. In den ersten Semestern baust Du das wirtschaftliche Fundament auf: Buchführung und Rechnungswesen, Kostenrechnung, Marketing, Personalmanagement und Grundlagen der Volkswirtschaftslehre – das klassische BWL-Paket, ergänzt um immobilienrelevante Anwendungen. Immobilienwirtschaftliche Grundlagen vermitteln Dir das Branchenwissen: Wie funktionieren Immobilienmärkte? Was bestimmt Angebot und Nachfrage nach Wohnraum, Büroflächen oder Handelsflächen? Welche Akteure – Projektentwickler, Investoren, Makler, Verwalter, Banken – spielen welche Rolle?
Immobilienbewertung und -analyse zeigen Dir, wie Immobilien nach anerkannten Verfahren bewertet werden – Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren, Sachwertverfahren – und wie man Marktdaten auswertet. Immobilienfinanzierung und -investition vermitteln Dir, wie Immobilienkäufe finanziert werden, wie Renditen berechnet werden und wie institutionelle Investor:innen Immobilienportfolios steuern. Immobilienrecht ist ein zentrales Fach: Mietrecht, Kaufvertragsrecht, Baurecht, WEG-Recht (Wohnungseigentumsgesetz) und Grundbuchrecht sind die rechtlichen Grundlagen jeder immobilienwirtschaftlichen Tätigkeit. Projektentwicklung und Stadtplanung zeigen Dir, wie neue Immobilienprojekte von der Idee über die Planung bis zur Fertigstellung entwickelt werden. Facility Management – die professionelle Bewirtschaftung von Immobilien im laufenden Betrieb – ist an vielen Programmen ebenfalls Bestandteil. Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft – ESG-Kriterien, energetische Sanierung, klimagerechtes Bauen – gewinnt zunehmend an Bedeutung und ist in modernen Programmen fest verankert.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für den Bachelor Immobilienwirtschaft wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorausgesetzt. An Fachhochschulen reicht die Fachhochschulreife in der Regel aus. Der NC ist an den meisten Hochschulen moderat oder das Fach ist zulassungsfrei. An privaten Hochschulen fallen Studiengebühren an; dafür sind die Auswahlverfahren oft weniger NC-orientiert. Ein Vorpraktikum in der Immobilienbranche – in einer Maklerfirma, einer Wohnungsgesellschaft, einer Hausverwaltung oder bei einem Projektentwickler – ist an manchen Programmen Pflicht und immer empfehlenswert. Für duale Programme musst Du vor Studienbeginn einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen nachweisen.
Die Immobilienwirtschaft ist eine der größten und stabilsten Branchen der deutschen Volkswirtschaft – der Wert aller Immobilien in Deutschland übersteigt das Mehrfache des Bruttoinlandsprodukts. Gut ausgebildete Immobilienfachleute sind dauerhaft gesucht, und die Berufsaussichten sind hervorragend.
Als Immobilienmakler:in vermittelst Du Kauf- und Mietobjekte zwischen Eigentümer:innen und Interessent:innen – ein Beruf mit hohem Provisionsanteil, starker Eigenverantwortung und direktem Erfolgserlebnis. In der Immobilienverwaltung und im Property Management betreust Du Wohn- und Gewerbeimmobilien im laufenden Betrieb: Mieterbetreuung, Instandhaltungsmanagement, Nebenkostenabrechnung, Mietvertragsmanagement. In der Projektentwicklung arbeitest Du daran, neue Immobilienprojekte zu entwickeln – von der Grundstücksakquise über die Planung und Finanzierung bis zur Vermarktung. In der Immobilienfinanzierung und bei Banken berätst Du Privatpersonen und Unternehmen bei der Finanzierung von Immobilienkäufen oder analysierst Immobilienportfolios als Kreditsicherheiten. Bei institutionellen Investor:innen – Versicherungen, Pensionskassen, Immobilienfonds – steuerst Du Immobilienportfolios und triffst Investitionsentscheidungen auf der Basis von Markt- und Renditeanalysen. In der Wohnungswirtschaft – bei kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsgesellschaften – arbeitest Du an der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum, einem der drängendsten gesellschaftlichen Themen unserer Zeit.
Nach dem Bachelor in Immobilienwirtschaft stehen Dir verschiedene Masterstudiengänge offen. Mögliche Optionen sind unter anderem:
Das Gehalt in der Immobilienwirtschaft variiert je nach Berufsfeld erheblich. Als Berufseinsteiger:in in der Immobilienverwaltung oder im Property Management liegen die Bruttojahresgehälter typischerweise zwischen 32.000 und 44.000 Euro. In der Projektentwicklung und bei Investmentgesellschaften sind Einstiegsgehälter von 40.000 bis 55.000 Euro möglich. Als Immobilienmakler:in hängt das Einkommen stark von der Provisionslage ab – im Einstieg oft moderat, bei etablierten Makler:innen mit eigenem Kundenstamm deutlich mehr. In der Immobilienfinanzierung bei Banken und Finanzinstituten sind Einstiegsgehälter von 38.000 bis 52.000 Euro üblich. Mit Berufserfahrung, Führungsverantwortung oder dem Zertifikat als MRICS (Member of the Royal Institution of Chartered Surveyors) – dem international anerkannten Qualitätssiegel der Immobilienprofis – steigen die Gehälter auf 60.000 bis 100.000 Euro und mehr.
Immobilienwirtschaft ist das Studium für alle, die verstehen wollen, wie Städte wachsen, wie Wohnraum entsteht und wie Immobilien als Wirtschaftsgut funktionieren – und die aktiv daran mitwirken möchten. Du lernst, Märkte zu analysieren, Projekte zu entwickeln, Portfolios zu steuern und Menschen in einer der wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungen ihres Lebens zu begleiten. Die Branche ist groß, die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften stabil, und die Möglichkeiten – von der Maklerin bis zum Fondsmanager – sind vielfältiger als die meisten denken.
