Ausbildung

Studium

Nachrichten schreiben, Reportagen drehen, Podcasts produzieren, Missstände aufdecken – Journalist:innen sind die Menschen, die dafür sorgen, dass Gesellschaften informiert, kritisch und demokratisch bleiben. Journalismus ist eine der ältesten und gleichzeitig am stärksten im Wandel befindlichen Berufsfelder: Digitalmedien, Social Media, KI-generierte Inhalte und das Ende des klassischen Printabonnements haben die Branche in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist guter, verlässlicher Journalismus gefragter denn je. Wer Journalismus studiert, lernt nicht nur, wie man Texte schreibt oder Videos schneidet: Man lernt, wie man recherchiert, Quellen bewertet, komplexe Sachverhalte verständlich erklärt und dabei journalistische Sorgfalt und ethische Verantwortung nicht aus dem Blick verliert. Journalismus ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.), der an spezialisierten Journalistik-Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten angeboten wird und in einen Beruf führt, der Gesellschaft braucht und Gesellschaft gestaltet.

Dieses Studium passt zu Dir, wenn Du …

  • neugierig bist und Dich für alles interessierst – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport, Gesellschaft
  • gerne schreibst und ein Gespür für Sprache, Stil und die richtige Formulierung hast
  • hartnäckig recherchierst und nicht locker lässt, bis Du eine Geschichte wirklich verstanden hast
  • in der Schule Deutsch und Sozialkunde oder Politik zu Deinen stärkeren Fächern zählst
  • Dich für aktuelle Ereignisse interessierst und regelmäßig Nachrichten konsumierst – in verschiedenen Formaten
  • kommunikativ bist und keine Scheu hast, Menschen anzusprechen, Fragen zu stellen und Interviews zu führen
  • Dich für die Frage interessierst, wie Öffentlichkeit entsteht und wie Medien unsere Wahrnehmung prägen

Studienüberblick und Studieninhalte

Journalismus wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.) an verschiedenen deutschen Hochschulen angeboten – darunter die Deutsche Journalistenschule München (DJS, als postgraduale Ausbildung), die Hochschule für Medien Stuttgart, die Hochschule Darmstadt, die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, die Hamburg Media School sowie die Universität Dortmund, die als eine der wenigen Universitäten Journalistik als eigenständigen Studiengang mit starker Praxisorientierung anbietet. Daneben gibt es Journalistikstudiengänge an der Hochschule Ansbach, der Hochschule Hannover und weiteren Fachhochschulen. Journalismus wird häufig auch als Kombination mit einem inhaltlichen Nebenfach angeboten – etwa Wirtschaftsjournalismus, Wissenschaftsjournalismus, Politikjournalismus oder Sportjournalismus – und unterscheidet sich damit von Kommunikationswissenschaft, die stärker theoretisch ausgerichtet ist. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester.

Das Studium ist konsequent praxisorientiert – das unterscheidet es von verwandten Studiengängen wie Kommunikationswissenschaft oder Medienwissenschaft. Journalistisches Schreiben ist das handwerkliche Kernfach: Du lernst die klassischen journalistischen Darstellungsformen – Nachricht, Bericht, Reportage, Interview, Kommentar, Glosse, Feature – und übst sie in Redaktionsseminaren, Werkstätten und Praxisprojekten. Recherche und Informationsbeschaffung zeigen Dir, wie man Geschichten findet, Quellen bewertet, Dokumente auswertet und Informationen verifiziert – in Zeiten von Desinformation und KI-generierten Inhalten eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt. Medienrecht und Pressekodex vermitteln Dir den rechtlichen und ethischen Rahmen des Journalismus: Pressefreiheit, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht, Sorgfaltspflicht und journalistische Ethik. Digitaler Journalismus und Online-Redaktion zeigen Dir, wie Journalismus im Netz funktioniert: SEO-optimiertes Schreiben, Social-Media-Redaktion, Datenjournalismus und Multimediastorytelling. Foto-, Video- und Audiojournalismus vermitteln Dir die nicht-textlichen Ausdrucksformen: wie Du mit der Kamera eine Geschichte erzählst, wie Du ein Radio-Feature produzierst oder einen Podcast konzipierst. Viele Programme bieten thematische Vertiefungen – Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kultur, Sport – und fast alle haben ein oder mehrere Pflichtpraktika in Redaktionen, Radiosendern oder Online-Medien als Studienbestandteil.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Neugier und das echte Interesse daran, Dinge zu verstehen und zu erklären
  • Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz – gute Recherche braucht Zeit und Ausdauer
  • Kommunikationsstärke im Gespräch mit Gesprächspartner:innen aller Art – von der Ministerpräsidentin bis zum Augenzeugen
  • Kritisches Denken und die Fähigkeit, Informationen zu hinterfragen und einzuordnen
  • Belastbarkeit für Deadlines, Schichtdienste und die manchmal chaotische Tagesaktualität
  • Ethisches Urteilsvermögen für schwierige Abwägungen zwischen Informationsfreiheit und Persönlichkeitsschutz

Wichtige Hard Skills

  • Sehr gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit auf Deutsch als unverzichtbares Handwerkszeug
  • Schnelles, präzises Schreiben auch unter Zeitdruck
  • Grundkenntnisse in digitalen Tools: CMS-Systeme, Bildbearbeitung, Audioschnittsoftware
  • Sehr gute Englischkenntnisse für internationale Recherchen und Quellen
  • Kenntnisse in Datenjournalismus und datengestützter Recherche (werden im Studium aufgebaut)

Zugangsvoraussetzungen

Für den Bachelor Journalismus wird in der Regel die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt; an Fachhochschulen reicht die Fachhochschulreife. Die meisten journalistischen Hochschulprogramme haben ein eigenes Auswahlverfahren: Neben dem NC – der teils hoch ist – werden Motivationsschreiben, Arbeitsproben (eigene Artikel, Blog-Texte, Videos, Podcasts) und teils Eignungstests oder Auswahlgespräche verlangt. Erste journalistische Praxiserfahrung – als freie:r Mitarbeiter:in bei einer Lokalzeitung, als Redakteur:in einer Schülerzeitung, als Blogger:in oder als Social-Media-Content Creator – ist bei der Bewerbung ein entscheidender Vorteil und zeigt echtes Interesse. Wer noch keine solche Erfahrung hat, sollte sie vor der Bewerbung aktiv sammeln. Gute Deutschnoten und allgemeine Sprachgewandtheit werden vorausgesetzt.

Typische Berufsfelder, Perspektiven und Weiterbildung nach dem Studium

Journalismus ist ein Berufsfeld, das sich stark verändert hat – und weiter verändern wird. Die klassischen Verlagshäuser und Rundfunkanstalten haben Stellen abgebaut; gleichzeitig sind neue Formate, Plattformen und Berufsbilder entstanden. Wer sich anpassungsfähig, digital kompetent und thematisch spezialisiert aufstellt, hat gute Chancen in einem Markt, der verlässliche Qualitätsjournalist:innen braucht.

In Tageszeitungen, Nachrichtenmagazinen und Wochenzeitungen – ob Print oder digital – arbeitest Du als Redakteur:in in einem Ressort, berichtest über aktuelle Ereignisse, schreibst Analysen und Reportagen und entwickelst eigene Themen. In Online-Medien und digitalen Nachrichtenportalen – von großen Verlagswebsites über öffentlich-rechtliche Mediatheken bis zu unabhängigen digitalen Medien wie Correctiv, The Pioneer oder Krautreporter – produzierst Du Inhalte in verschiedenen Formaten für digitale Kanäle. Im Rundfunk – bei ARD, ZDF, Deutschlandradio, den privaten Sendern oder regionalen Hörfunksendern – arbeitest Du als Reporter:in, Moderator:in oder Redakteur:in in einer der traditionsreichsten Medienformen Deutschlands. Im Bereich Podcast und Audio-Journalismus produzierst Du eigenständige oder redaktionell eingebettete Audioinhalte für ein wachsendes, treues Publikum. Als freie:r Journalist:in arbeitest Du auf Honorarbasis für verschiedene Medien und baust Dir einen eigenen thematischen Schwerpunkt und Kundenstamm auf – flexibel, eigenverantwortlich und mit dem Risiko ungleichmäßiger Auftragslage. In der Unternehmenskommunikation und im Corporate Publishing arbeiten viele Journalist:innen als Quereinsteiger:innen in PR-Abteilungen, Agenturen oder als Content-Strateg:innen – mit oft besserer Vergütung als im klassischen Journalismus.

Aufbauende Studiengänge und mögliche Masterstudiengänge

Nach dem Bachelor in Journalismus stehen Dir verschiedene Wege zur weiteren Qualifikation offen. Mögliche Optionen sind unter anderem:

  • Journalismus (Master) – vertiefte journalistische Ausbildung mit Spezialisierungsmöglichkeiten
  • Wissenschaftsjournalismus (Master) – für die Berichterstattung über Wissenschaft, Forschung und Technologie
  • Wirtschaftsjournalismus (Master) – für den Fokus auf Wirtschaft, Finanzen und Unternehmensthemen
  • Datenjournalismus oder Computational Journalism (Master) – für datengestützte Recherche und investigativen Journalismus
  • Kommunikationswissenschaft (Master) – für eine stärker wissenschaftlich-theoretische Auseinandersetzung mit Medien und Öffentlichkeit
  • Medienmanagement (Master) – für Führungsaufgaben in Medienunternehmen
  • Deutsche Journalistenschule (DJS) München – postgraduale Ausbildung, gilt als eine der renommiertesten journalistischen Ausbildungsstätten Deutschlands
  • Volontariat – die klassische journalistische Berufsausbildung direkt in einer Redaktion, oft parallel zu oder nach dem Studium absolviert

Gehalt im Beruf

Das Gehalt im Journalismus ist je nach Medium, Format und Region sehr unterschiedlich – und in vielen Bereichen eher moderat. Als Volontär:in in einer Redaktion – der übliche Einstieg nach dem Studium – liegen die Bruttovergütungen zwischen 1.500 und 2.200 Euro im Monat. Als festangestellte:r Redakteur:in nach dem Volontariat liegen die Jahresgehälter je nach Verlag und Tarifvertrag zwischen 32.000 und 52.000 Euro. In öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie ARD oder ZDF sind die Gehälter nach Tarifvertrag meist etwas höher – 40.000 bis 60.000 Euro im Einstieg. Als freie:r Journalist:in variiert das Einkommen stark – zwischen prekär und sehr gut, je nach Spezialisierung, Auftraggeber:innen und Zeilenhonoraren. In der Unternehmenskommunikation und PR sind Gehälter von 38.000 bis 58.000 Euro im Einstieg möglich – teils deutlich mehr als im klassischen Journalismus. Mit Berufserfahrung, Führungsverantwortung als Ressortleiter:in oder Chefredakteur:in oder als etablierte:r freie:r Journalist:in mit eigenem Markenprofil steigen die Gehälter auf 55.000 bis 80.000 Euro und mehr.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Kommunikationswissenschaft (B.A.) – stärker theoretisch und wissenschaftlich, weniger handwerklich-praktisch ausgerichtet
  • Medienwissenschaft (B.A.) – für eine analytisch-kulturwissenschaftliche Perspektive auf Medien
  • Public Relations / Unternehmenskommunikation (B.A.) – für die strategische Kommunikation von Organisationen statt journalistische Berichterstattung
  • Politikwissenschaft (B.A.) – für alle, die politischen Journalismus aus einer wissenschaftlicheren Grundlage heraus betreiben möchten
  • Germanistik (B.A.) – für eine stärker literatur- und sprachwissenschaftliche Ausbildung mit Sprachkompetenz als Kern
  • Film und Fernsehen (B.A.) – für alle, die bewegte Bilder als primäres Medium bevorzugen
  • Mediendesign oder Medienproduktion (B.A.) – für die technisch-gestalterische Seite der Medienwelt
  • Medienkaufmann/-frau Digital und Print (Ausbildung) – für einen direkten Einstieg in die Medienbranche ohne Studium

Die Welt erklären – Journalismus als Studium für neugierige Köpfe

Journalismus ist der Beruf für alle, die nicht aufhören können, Fragen zu stellen – und die Antworten so aufschreiben, aufnehmen oder verfilmen können, dass andere Menschen sie verstehen und einordnen können. Es ist ein anspruchsvoller, manchmal undankbarer und finanziell nicht immer üppig entlohnter Beruf. Aber er ist einer der gesellschaftlich wichtigsten, die es gibt: Ohne guten Journalismus keine informierte Öffentlichkeit, keine funktionierende Demokratie. Wenn Du neugierig bist, hartnäckig recherchierst und Lust hast, die Welt zu erklären, bist Du im Journalismus genau richtig.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.