Ausbildung

Studium

Eine Symphonie, die ein ganzes Orchester in Bewegung setzt. Ein Filmmusikstück, das eine Szene emotional auflädt. Eine elektronische Komposition, die im Konzert aus Lautsprechern klingt. Ein Streichquartett, das eine Idee in vier Stimmen auseinanderfächert. Hinter all diesen Musikwerken steht eine Komponistin oder ein Komponist – ein Mensch, der Musik nicht nur interpretiert, sondern erfindet. Komposition ist das Studium, das diese Fähigkeit systematisch ausbildet: das Erschaffen von Musik als eigenständige künstlerische Tätigkeit. Kompositionsstudierende lernen das handwerkliche und ästhetische Rüstzeug, um eigene Musikwerke zu entwickeln – in klassischer Notationsschrift, in elektronischer Produktion, in der Filmmusik oder in avantgardistischen Klangwelten. Im Unterschied zu Instrumentalstudien – die das Spielen eines Instruments ins Zentrum stellen – und zu Musikwissenschaft – die Musik historisch und analytisch untersucht – ist Komposition die Disziplin des musikalischen Erfindens. Es ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Mus. oder B.A.), der an Musikhochschulen angeboten wird und zu den selektivsten und künstlerisch anspruchsvollsten Studiengängen in Deutschland gehört.

Dieses Studium passt zu Dir, wenn Du …

  • nicht nur Musik spielen, sondern eigene Musik erfinden und entwickeln möchtest
  • eine starke musikalische Fantasie und eigene Klangvorstellungen mitbringst
  • Musiktheorie, Harmonielehre und Kontrapunkt als faszinierende Handwerksdisziplinen siehst
  • Dich für zeitgenössische Musik, Filmmusik, elektronische Komposition oder experimentelle Klangwelten begeisterst
  • bereit bist, täglich an eigenen Werken zu arbeiten und Dich der kritischen Auseinandersetzung mit Deiner Musik zu stellen
  • ein Instrument auf hohem Niveau spielst – Kompositionsstudierende brauchen tiefes musikalisches Fundament
  • die Unsicherheit eines freien Kunstberufs akzeptierst und dafür künstlerische Freiheit als höchsten Wert siehst

Studienüberblick und Studieninhalte

Komposition wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Mus.) an deutschen Musikhochschulen angeboten – darunter die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die Hochschule für Musik Köln, die Hochschule für Musik und Theater München, die Universität der Künste Berlin, die Hochschule für Musik Freiburg sowie weitere staatliche Musikhochschulen. An manchen Hochschulen wird Komposition als eigenständiger Studiengang angeboten, an anderen als Schwerpunkt innerhalb eines breiteren Musikstudiums. Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester. Die Zulassung erfolgt ausschließlich über ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren – Komposition ist eines der selektivsten Musikstudiengänge überhaupt. Komposition unterscheidet sich von Musikproduktion – die stärker auf digitale Produktion und Popmusik ausgerichtet ist – durch den Fokus auf das kompositorische Handwerk und die ästhetische Entwicklung einer eigenen Musiksprache.

Das Studium ist projektbasiert und auf die Entwicklung einer eigenen kompositorischen Handschrift ausgerichtet. Kompositionsunterricht ist das absolute Herzstück – Einzelunterricht bei einem Kompositionsprofessor oder einer -professorin, in dem eigene Werke entwickelt, diskutiert und überarbeitet werden. Dieser intensive Einzelunterricht ist das Kernformat der Kompositionsausbildung weltweit. Musiktheorie und Harmonielehre vermitteln Dir das handwerkliche Fundament: Stimmführung, Akkordverbindungen, Funktionsharmonik, erweiterte Harmonik und die theoretischen Grundlagen der abendländischen Musiksprache. Kontrapunkt zeigt Dir die Kunst der mehrstimmigen Stimmführung – von Palestrinas Vokalpolyphonie bis zum Bachschen Doppelkontrapunkt. Formenlehre zeigt Dir die großen Formen der Musikgeschichte – Sonate, Fuge, Rondo, Suite, Symphonie – als handwerkliche Modelle und historische Vorbilder. Instrumentation und Orchestration zeigen Dir, wie Instrumente und Orchestergruppen klingen, wie man für sie schreibt und wie Orchesterfarben gezielt eingesetzt werden. Analyse zeigt Dir, wie bedeutende Werke der Musikgeschichte konstruiert sind – von Bach und Beethoven über Schönberg und Messiaen bis zu Ligeti und Lachenmann. Elektronische Musik und Computerkomposition zeigen Dir die Möglichkeiten der elektroakustischen Komposition und des computergestützten Komponierens. Neue Notationsformen und graphische Notation zeigen Dir, wie zeitgenössische Musik geschrieben wird, wenn traditionelle Notation nicht ausreicht. Aufführungsprojekte – eigene Werke werden im Studium aufgeführt, teils von Kammerensembles oder dem Hochschulorchester – sind zentrale Ausbildungserlebnisse.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Künstlerische Vision und eine eigene musikalische Vorstellungskraft als Grundlage
  • Ausdauer und Disziplin für die tägliche Arbeit an eigenen Werken
  • Kritikfähigkeit für die intensive Auseinandersetzung mit dem Kompositionsprofessor oder der -professorin
  • Offenheit für verschiedene Kompositionsstile und Klangwelten – von Klassik bis Avantgarde
  • Kommunikationsstärke für die Zusammenarbeit mit Interpret:innen und Ensembles
  • Resilienz für die Unsicherheit eines freien Künstlerberufs mit unregelmäßigem Einkommen

Wichtige Hard Skills

  • Solides Instrumentalspiel auf mindestens einem Instrument – meist Klavier – als Voraussetzung für die Aufnahmeprüfung
  • Sehr gute Kenntnisse in Musiktheorie und Harmonielehre als handwerkliches Fundament
  • Eigene Kompositionen als Portfolio für das Aufnahmeverfahren
  • Sehr gute Noten- und Partiturlesefähigkeit
  • Grundkenntnisse in Musiksoftware – Sibelius, Finale, MuseScore, DAW – sind ein Vorteil

Zugangsvoraussetzungen

Die Aufnahmeprüfung für Komposition ist außerordentlich anspruchsvoll und selektiv. Du präsentierst eigene Kompositionen – oft mehrere Werke in verschiedenen Besetzungen – und wirst zu Deinen kompositorischen Entscheidungen befragt. Instrumentalspiel – oft Klavier als Pflicht – wird geprüft, ebenso Musiktheorie und Gehörbildung. Entscheidend sind kompositorische Fantasie, handwerkliches Fundament, Originalität und Entwicklungspotenzial. Die allgemeine Hochschulreife ist formale Voraussetzung, spielt bei der Zulassung aber keine Rolle. Informiere Dich frühzeitig bei der jeweiligen Musikhochschule über Anforderungen und Bewerbungsfristen – und beginne, Dein Portfolio an eigenen Werken aufzubauen.

Typische Berufsfelder, Perspektiven und Weiterbildung nach dem Studium

Komponist:innen arbeiten in einem kleinen, kompetitiven und finanziell unsicheren Berufsfeld – das für die Richtigen von einzigartiger künstlerischer Erfüllung ist. Die ehrliche Einschätzung vorab: Eine Karriere als freischaffende:r Komponist:in erfordert außergewöhnliches Talent, Netzwerk, Ausdauer und teils viel Glück. Die meisten Komponist:innen kombinieren kompositorische Arbeit mit anderen musikalischen Tätigkeiten.

Als freischaffende:r Komponist:in entwickelst Du eigene Werke – für Kammerensembles, Orchester, Chöre, Soloinstrumente oder elektronische Besetzungen – und präsentierst sie auf Konzerten, Festivals und in Auftragswerken. Stipendien, Kompositionsaufträge und Fördergelder – etwa vom Deutschen Musikrat, der GEMA-Stiftung oder Kulturbehörden – sind wichtige Finanzierungsquellen. In der Filmmusik und in der Musik für Fernsehen, Theater und Computerspiele – als Filmkomponist:in oder Media Composer – entstehen Werke für spezifische dramaturgische Kontexte und bieten teils attraktivere Einkommensmöglichkeiten als die freie Komposition. In der Musikpädagogik – als Kompositionslehrer:in an Musikhochschulen, Musikschulen oder im Privatunterricht – gibst Du kompositorisches Wissen weiter. In der Musikproduktion und im Musikverlag – als Arrangeur:in, Bearbeiter:in oder in der Verlagsredaktion – bringst Du kompositorische Kompetenz in industrielle Kontexte ein. In der Wissenschaft und Hochschullehre – als Professor:in für Komposition – lehrst Du die nächste Generation von Komponist:innen.

Aufbauende Studiengänge und mögliche Masterstudiengänge

  • Komposition (Master) – vertiefte künstlerische Ausbildung als Grundlage für eine freie Karriere oder Hochschullehre
  • Filmkomposition oder Media Composition (Master) – für die Spezialisierung auf Musik für Film, Fernsehen und Spiele
  • Elektronische Komposition oder Computermusik (Master) – für die Spezialisierung auf elektroakustische und digitale Klangwelten
  • Dirigieren (Master) – für den Wechsel vom Komponieren zum Dirigieren eigener und fremder Werke
  • Musiktheorie (Master) – für eine wissenschaftlich-analytische Vertiefung
  • Promotion (Dr. rer. mus. oder Dr. phil.) – für eine wissenschaftliche Karriere in Musikwissenschaft und Hochschullehre

Gehalt im Beruf

Das Einkommen als Komponist:in ist eines der variabelsten und oft bescheidendsten im Kunstbetrieb. Kompositionsaufträge variieren stark – von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro pro Werk, je nach Ensemble, Auftraggeber und Renommee. GEMA-Ausschüttungen – für Aufführungen und Rundfunkübertragungen – können mit wachsendem Katalog und Aufführungshäufigkeit eine verlässliche Einkommensquelle werden. In der Filmmusik sind deutlich höhere Einkommen möglich – erfahrene Filmkomponist:innen verdienen 50.000 bis 150.000 Euro und mehr. Als Kompositionsprofessor:in an einer Musikhochschule sind Gehälter nach W2 oder W3 erreichbar – zwischen 55.000 und 90.000 Euro. Die Künstlersozialkasse (KSK) bietet soziale Absicherung für freischaffende Komponist:innen.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Musikproduktion (B.A.) – für die digitale Produktion von Musik ohne klassische Kompositionsausbildung – ein eigener Eintrag ist im Studienlexikon verfügbar
  • Instrumentalstudium (B.Mus.) – für das Interpretieren statt das Erfinden von Musik
  • Musikwissenschaft (B.A.) – für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Musik ohne eigene Komposition – ein eigener Eintrag ist im Studienlexikon verfügbar
  • Dirigieren (B.Mus.) – für die Leitung von Ensembles statt die Komposition
  • Jazz und Popularmusik (B.Mus.) – für Komposition und Improvisation im populären Bereich – ein eigener Eintrag ist im Studienlexikon verfügbar
  • Tonmeister:in (B.Mus.) – für die technisch-künstlerische Aufnahme und Produktion von Musik

Musik erfinden – Komposition als Studium für alle, die klingen müssen

Komposition ist das Studium für alle, die Musik nicht spielen wollen, was andere geschrieben haben – sondern selbst schreiben wollen, was andere spielen. Du lernst das Handwerk des Komponierens von Grund auf – Harmonielehre, Kontrapunkt, Orchestration, Analyse – und entwickelst dabei eine eigene musikalische Sprache, die Dir gehört. Es ist eines der anspruchsvollsten, selektivsten und künstlerisch eigenständigsten Studiengänge überhaupt – für alle, die Musik nicht nur hören und spielen, sondern erfinden müssen.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.

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