Studium
Unterrichten, begleiten, prägen – Lehrer:innen gehören zu den Menschen, die das größte Potenzial haben, das Leben anderer zu verändern. Jede:r erinnert sich an Lehrer:innen, die begeistert haben, die weitergebracht haben, die Vertrauen geschenkt haben. Und alle kennen das Gegenteil. Lehramt ist der Studiengang, der Menschen darauf vorbereitet, diesen Unterschied zu machen – fachlich kompetent, pädagogisch reflektiert und mit einem echten Gespür für die Menschen, die vor einem sitzen. Lehramt ist in Deutschland ein besonderer Studiengang: Je nach Bundesland wird er als Staatsexamensstudiengang oder als konsekutiver Bachelor-Master-Studiengang (Bachelor of Education + Master of Education) angeboten. In beiden Fällen folgt nach dem Studium das Referendariat – ein anderthalbjähriges bis zweijähriges Praxisjahr an einer Schule. Lehramt ist damit ein langer, strukturierter Weg in einen der wichtigsten und gleichzeitig krisensichersten Berufe überhaupt.
Lehramt wird in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich organisiert – das ist eine der größten Besonderheiten dieses Studiengangs. In Bayern, Baden-Württemberg und einigen anderen Ländern ist Lehramt ein Staatsexamensstudiengang; in vielen anderen Bundesländern wie NRW, Berlin, Hamburg oder Niedersachsen gibt es den Bachelor of Education (B.Ed.) und den konsekutiven Master of Education (M.Ed.). Die grundlegende Struktur ist aber überall ähnlich. Du studierst in der Regel zwei Unterrichtsfächer – kombinierbar aus einem breiten Angebot – und erwirbst parallel dazu bildungswissenschaftliche Kompetenzen in Erziehungswissenschaft, Pädagogik und Psychologie. Schulpraktika sind fester Bestandteil bereits im Bachelorstudium.
Die Schulformen, für die Du Dich qualifizierst, hängen von Deiner Studienwahl ab. Lehramt an Grundschulen qualifiziert Dich für die Klassen 1 bis 4; hier steht neben den Unterrichtsfächern (meist Deutsch, Mathematik und ein weiteres Fach) vor allem die pädagogische Arbeit mit Kindern im Vordergrund. Lehramt an Hauptschulen, Realschulen oder Mittelschulen bereitet Dich auf die Sekundarstufe I vor – je nach Bundesland mit unterschiedlicher Bezeichnung und Anforderung. Lehramt an Gymnasien ist der anspruchsvollste Weg: Du studierst zwei Fächer auf universitärem Niveau und qualifizierst Dich für die Klassen 5 bis 13, einschließlich der Abiturstufe. Lehramt an Berufsschulen und berufsbildenden Schulen kombiniert ein berufliches Fachgebiet – Metall, Elektro, Wirtschaft, Gesundheit und Pflege – mit einem allgemeinbildenden Fach. Lehramt Sonderpädagogik qualifiziert für die Arbeit mit Schüler:innen mit besonderen Förderbedarfen in verschiedenen Förderschwerpunkten.
Die bildungswissenschaftlichen Anteile des Studiums sind fächerübergreifend und vermitteln Dir das pädagogisch-psychologische Handwerkszeug: Wie lernen Menschen? Wie plane ich Unterricht? Wie gehe ich mit Heterogenität, Inklusion, Disziplinproblemen und Elterngesprächen um? Wie motiviere ich Schüler:innen, die keine Lust auf mein Fach haben? Diagnostik, Beratung, Klassenführung und Medienbildung sind weitere Bausteine. Schulpraktika – oft als Orientierungspraktikum, Unterrichtspraktikum und vertiefendes Praktikum gestaffelt – begleiten das Studium und geben Dir regelmäßig Gelegenheit, in echten Schulen zu unterrichten und zu reflektieren.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für das Lehramtsstudium wird in der Regel die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt. Je nach Schulform und Bundesland variieren die NC-Werte: Lehramt Grundschule ist an vielen Standorten stark nachgefragt und hat teils einen hohen NC; Lehramt Gymnasium für Kombinationen mit naturwissenschaftlichen Fächern ist teils zulassungsfrei. Bestimmte Fächerkombinationen – etwa Mathematik mit Physik oder Chemie mit Biologie – sind weniger überbucht als Deutsch mit Geschichte. Schulpraktische Erfahrung – als Nachhilfelehrer:in, in der Jugendarbeit, als Betreuer:in im Ferienlager – ist keine formale Pflicht, aber ein echter Vorteil für die Bewerbung und die eigene Entscheidungssicherheit. Ein Orientierungspraktikum in einer Schule vor oder zu Beginn des Studiums ist an vielen Hochschulen Pflicht und überall sinnvoll: Es hilft Dir, frühzeitig zu prüfen, ob der Schuldienst wirklich zu Dir passt.
Das Referendariat – anderthalb bis zwei Jahre Ausbildung im Schuldienst unter Anleitung erfahrener Lehrkräfte – folgt nach dem Staatsexamen oder dem Master of Education. Danach tritt die überwiegende Mehrheit der Absolvent:innen in den öffentlichen Schuldienst ein, meist als verbeamtete Lehrkraft. Der Beamtenstatus ist eine Besonderheit des Lehrerberufs: Er bedeutet unkündbare Beschäftigung, Pension im Alter, keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und Krankenversicherung über die Beihilfe – ein Sicherheitspaket, das kaum ein anderer Beruf bietet.
Als Lehrer:in an einer staatlichen Schule unterrichtest Du Deine Fächer, begleitest Schüler:innen in ihrer Entwicklung, übernimmst Klassenleitung, Elternarbeit, Konferenzen und Schulentwicklungsprojekte. Mit wachsender Erfahrung kannst Du Fachleitung, Stufenleitung oder Schulleitung übernehmen. Private Schulen und internationale Schulen beschäftigen ebenfalls ausgebildete Lehrkräfte, meist ohne Beamtenstatus, aber oft mit anderen Vorteilen. Im Bereich Bildungsmanagement und Schulaufsicht – in Schulämtern, Bezirksregierungen oder Kultusministerien – sind erfahrene Lehrkräfte als Schulrät:innen, Dezernent:innen oder Referent:innen gefragt. In der Lehrkräfteausbildung selbst – an Studienseminaren und Hochschulen – kannst Du als Ausbilder:in tätig werden. Wer einen Quereinstieg in die freie Wirtschaft anstrebt, findet in der betrieblichen Weiterbildung, im E-Learning oder im Corporate Training Felder, in denen pädagogische Kompetenz und Fachkenntnisse gefragt sind.
Nach dem Staatsexamen oder dem Master of Education stehen verschiedene Wege zur weiteren Qualifikation offen:
Lehrer:innen im Beamtenstatus gehören zu den finanziell gut abgesicherten Berufsgruppen in Deutschland – auch wenn das Gehalt je nach Bundesland, Schulform und Fächerkombination variiert. Als Gymnasiallehrer:in (A13/A14) liegen die Bruttojahresgehälter im Einstieg je nach Bundesland zwischen 48.000 und 60.000 Euro, steigen mit Dienstalter und Erfahrungsstufen auf 65.000 bis 80.000 Euro und mehr. Grundschullehrkräfte und Lehrkräfte an Haupt- und Realschulen werden in vielen Bundesländern nach A12 oder A13 besoldet – ein Unterschied, der politisch zunehmend diskutiert und in einigen Ländern bereits angeglichen wird. Hinzu kommt der Wert des Beamtenstatus: keine Beiträge zur Rentenversicherung, staatliche Pension, Beihilfe zur Krankenversicherung und unkündbare Beschäftigung. Unter dem Strich ist Lehramt eines der finanziell stabilsten Berufsbilder in Deutschland – besonders wenn man Lebensarbeitszeit und Gesamtversorgung im Alter berücksichtigt.
Lehramt ist kein Studiengang für alle – aber für die Richtigen ist er einer der erfüllendsten Berufe, die es gibt. Du arbeitest täglich mit Menschen in einer Phase, in der sie sich entwickeln, entfalten und ihre Persönlichkeit formen. Du vermittelst nicht nur Wissen, sondern Haltungen, Neugier und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Der Weg ist lang – Studium, Referendariat, Berufsalltag – aber er führt in einen Beruf mit gesellschaftlicher Relevanz, finanzieller Stabilität und der Möglichkeit, wirklich etwas zu hinterlassen. Wenn Du Menschen magst, ein Fach liebst und bereit bist, jeden Tag aufs Neue präsent und engagiert zu sein, ist Lehramt der richtige Weg für Dich.
