Ausbildung

Studium

Streife fahren, Einbrüche aufklären, Unfälle sichern, Menschen in Notsituationen helfen, Straftaten verfolgen und die öffentliche Sicherheit gewährleisten – die Polizei ist eine der wichtigsten Institutionen des Rechtsstaats, und ihre Beamt:innen stehen täglich an vorderster Front. Wer zur Polizei möchte, studiert Polizeivollzugsdienst – ein duales Studium an Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung, das theoretische Ausbildung mit praktischer Polizeiarbeit verbindet und direkt in den gehobenen Polizeidienst führt. Es ist kein gewöhnliches Hochschulstudium: Du wirst vom ersten Tag an als Polizeianwärter:in bezahlt, trägst Uniform, lernst Einsatztaktik und Schießen – und studierst gleichzeitig Recht, Kriminalistik und Polizeiwissenschaft. Nach dem Abschluss bist Du verbeamtet und startest direkt in den Polizeidienst – in der Schutzpolizei, und mit weiterer Erfahrung und entsprechender Eignung auch in der Kriminalpolizei. Polizeivollzugsdienst ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.A.), der an Landespolizeischulen und Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung aller Bundesländer sowie der Bundespolizei angeboten wird.

Dieses Studium passt zu Dir, wenn Du …

  • für Recht, Sicherheit und gesellschaftliche Ordnung eintreten möchtest
  • körperlich fit und belastbar bist – Polizeiarbeit ist physisch und psychisch fordernd
  • in einer staatlichen Institution mit klarer Laufbahnstruktur, Verbeamtung und Jobsicherheit arbeiten möchtest
  • Dich für Kriminalistik, Strafrecht und die Aufklärung von Straftaten begeisterst
  • ein duales Studium bevorzugst, das von Anfang an vergütet wird
  • teamorientiert, kommunikativ und belastbar bist – Polizeiarbeit ist Teamarbeit unter Druck
  • Verantwortung für andere Menschen übernehmen möchtest und in Extremsituationen ruhig und entschlossen handeln kannst

Studienüberblick und Studieninhalte

Polizeivollzugsdienst wird als dualer Bachelor-Studiengang (B.A.) an den Polizeifachhochschulen und Landespolizeischulen aller Bundesländer angeboten – darunter die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW, die Hochschule der Sächsischen Polizei, die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Polizei Bayern sowie entsprechende Einrichtungen aller anderen Länder. Für die Bundespolizei gibt es ein eigenständiges Studium an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Lübeck. Das Studium ist fast immer als duales Ausbildungsstudium konzipiert: Du wirst von der Polizei des jeweiligen Bundeslandes eingestellt, erhältst eine Ausbildungsvergütung und bist nach erfolgreichem Abschluss direkt verbeamtet. Die Regelstudienzeit beträgt in der Regel drei Jahre. Das Studium wechselt zwischen Theoriephasen an der Hochschule und Praxisphasen bei Polizeidienststellen.

Das Studium verbindet rechtliche, kriminalistische und polizeipraktische Inhalte. Rechtswissenschaften sind das theoretische Fundament: Strafrecht und Strafprozessrecht zeigen Dir, welche Handlungen strafbar sind, wie Ermittlungen rechtlich geführt werden und welche Rechte Beschuldigte haben. Polizeirecht und Ordnungsrecht zeigen Dir die rechtlichen Grundlagen polizeilichen Handelns: Wann darf die Polizei einschreiten? Welche Zwangsmittel sind unter welchen Bedingungen zulässig? Wie werden Grundrechte bei Polizeieinsätzen gewahrt? Verfassungsrecht und öffentliches Recht zeigen Dir den staatlichen Rahmen, in dem Polizeiarbeit stattfindet. Kriminalistik ist das operative Herzstück: Spurensicherung, Vernehmungstechnik, Ermittlungsmethoden, Kriminaltaktik und die Systematik der Verbrechensaufklärung. Verkehrsrecht und Verkehrsunfallaufnahme zeigen Dir einen wichtigen Teilbereich des Polizeialltags. Einsatzlehre und Einsatztaktik zeigen Dir, wie Polizeieinsätze geplant und durchgeführt werden – von der Streifenfahrt bis zum Großeinsatz. Sport und Einsatztraining sind Pflichtbestandteile: körperliche Fitness, Selbstverteidigung, Schießausbildung und Fahrausbildung. Kommunikation und Deeskalation zeigen Dir, wie Konflikte verbal gelöst werden – eine der wichtigsten Kompetenzen im Polizeialltag. Kriminologie zeigt Dir die wissenschaftlichen Grundlagen der Verbrechensforschung.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Belastbarkeit und psychische Stabilität für die Konfrontation mit schwierigen und traumatischen Situationen
  • Kommunikationsstärke und Deeskalationsfähigkeit für den Umgang mit Menschen in Konfliktsituationen
  • Teamfähigkeit für die enge Zusammenarbeit im Polizeiteam
  • Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit in Stresssituationen
  • Integrität und Rechtstreue als Grundvoraussetzung für den Polizeidienst
  • Empathie für Menschen in Notsituationen und gleichzeitige professionelle Distanz

Wichtige Hard Skills

  • Körperliche Fitness als formale Einstellungsvoraussetzung
  • Grundkenntnisse in Recht – besonders Strafrecht – sind hilfreich beim Studienstart
  • Führerschein Klasse B ist an den meisten Standorten Pflicht oder wird während des Studiums erworben
  • Sehr gute Deutschkenntnisse für Ermittlungsdokumentation und Berichterstellung
  • Grundkenntnisse in einer Fremdsprache – besonders Englisch – für die Arbeit in einer vielfältigen Gesellschaft

Zugangsvoraussetzungen

Für das Studium des Polizeivollzugsdienstes musst Du Dich direkt bei der Polizei des jeweiligen Bundeslandes bewerben – nicht bei der Hochschule. Die Auswahl ist mehrstufig und anspruchsvoll: schriftlicher Einstellungstest mit Deutsch, Mathematik und logischem Denken, Sport- und Fitnesstest, medizinische Untersuchung, psychologischer Test und Auswahlgespräch. Voraussetzungen sind in der Regel die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife, die deutsche Staatsangehörigkeit oder EU-Bürgerschaft, ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, Drogenfreiheit, gesundheitliche und körperliche Eignung sowie Sehvermögen innerhalb bestimmter Grenzwerte. Die Altersgrenzen variieren je nach Bundesland. Bewerbungsfristen liegen oft ein bis zwei Jahre vor dem Studienbeginn – frühzeitig informieren ist wichtig.

Typische Berufsfelder, Perspektiven und Weiterbildung nach dem Studium

Nach dem Studium des Polizeivollzugsdienstes startest Du direkt als verbeamtete:r Polizeibeamt:in im gehobenen Dienst – mit klarer Laufbahnentwicklung und exzellenter Jobsicherheit.

In der Schutzpolizei – dem klassischen Einstieg nach dem Studium – fährst Du Streife, nimmst Unfälle und Straftaten auf, sicherst Veranstaltungen und hilfst Menschen in Notsituationen. Es ist das direkteste und abwechslungsreichste Berufsfeld der Polizei. In der Kriminalpolizei – nach einigen Jahren Erfahrung in der Schutzpolizei und entsprechender Eignung und Bewerbung – ermittelst Du in Einbrüchen, Betrug, Drogendelikten, Körperverletzungen oder anderen Straftaten. Die Kriminalpolizei ist in Fachdezernate gegliedert – Wirtschaftskriminalität, Organisierte Kriminalität, Cybercrime, Kapitalverbrechen – und bietet spezialisierte Karrierewege. Bei der Bundespolizei – an Bahnhöfen, Flughäfen und Grenzen – sicherst Du Bundesinfrastruktur und bekämpfst grenzüberschreitende Kriminalität. In Spezialkräften – SEK, MEK oder der Bereitschaftspolizei – arbeitest Du in besonders einsatzintensiven und gefährlichen Bereichen. Mit Aufstieg in den höheren Dienst – über ein Masterstudium an der Deutschen Hochschule der Polizei – übernimmst Du Führungsverantwortung als Polizeiführer:in.

Aufbauende Studiengänge und mögliche Masterstudiengänge

  • Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement (Master) – an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster für den Aufstieg in den höheren Polizeidienst
  • Kriminologie (Master) – für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Verbrechensursachen und -prävention
  • Rechtswissenschaften (Staatsexamen) – für alle, die in den juristischen Dienst wechseln möchten
  • Sicherheitsmanagement (Master) – für Führungsaufgaben im Sicherheitsbereich
  • Forensik oder Kriminalistik (Master) – für die wissenschaftliche Verbrechensaufklärung

Gehalt im Beruf

Als Polizeibeamt:in im gehobenen Dienst richtet sich die Vergütung nach den Besoldungsordnungen der Länder – in der Regel Besoldungsgruppe A9 bis A13. Im Einstieg liegen die Bruttojahresgehälter typischerweise zwischen 36.000 und 52.000 Euro, je nach Bundesland – dazu kommen Schichtzulagen, Erschwerniszulagen und weitere Zulagen für besondere Dienste. Die Verbeamtung bringt zusätzlich Pensionsansprüche, Beihilfe zur Krankenversicherung und maximale Arbeitsplatzsicherheit. Mit Aufstieg in den höheren Dienst steigen die Gehälter auf 54.000 bis 80.000 Euro und mehr. Die Kriminalpolizei zahlt teils zusätzliche Zulagen für besondere Ermittlungstätigkeiten.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Allgemeine Innere Verwaltung (B.A.) – für den öffentlichen Dienst ohne Vollzugsaufgaben – ein eigener Eintrag ist im Studienlexikon verfügbar
  • Rechtswissenschaften / Jura (Staatsexamen) – für die juristische Seite von Strafverfolgung und Sicherheitsrecht
  • Kriminologie (B.A.) – für die wissenschaftliche Erforschung von Kriminalität ohne Vollzugsdienst
  • Wirtschaftskriminalistik (B.Sc.) – für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität im privaten Bereich – ein eigener Eintrag ist im Studienlexikon verfügbar
  • Bundeswehr (Offizierslaufbahn) – für staatlichen Dienst mit Sicherheitsaufgaben im militärischen Bereich
  • Polizeimeister:in (mittlerer Dienst) – für den Einstieg in die Polizei ohne Hochschulstudium

Den Rechtsstaat schützen – Polizeivollzugsdienst als Studium mit gesellschaftlicher Verantwortung

Polizeivollzugsdienst ist das Studium für alle, die nicht zusehen wollen, wenn Unrecht geschieht – sondern einschreiten, helfen und schützen wollen. Du lernst das rechtliche und operative Handwerk des Polizeidienstes und übernimmst von Tag eins an Verantwortung für die Sicherheit anderer Menschen. Es ist ein Beruf, der körperlich und psychisch fordert, gesellschaftlich unverzichtbar ist und über den Weg zur Kriminalpolizei vielfältige Spezialisierungen ermöglicht. Wenn Gerechtigkeit, Schutz und staatliche Verantwortung Deine Werte sind, bist Du hier genau richtig.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.