Ausbildung

Ausbildung

Als Stuntman oder Stuntwoman führst du im Film, Fernsehen oder bei Live-Events gefährliche oder körperlich extrem anspruchsvolle Szenen durch, die ein:e Schauspieler:in nicht selbst oder nicht sicher ausführen kann. Du springst aus brennenden Gebäuden, lässt dich von Fahrzeugen treffen, stürzt von Höhen, kämpfst in Nahkampfszenen oder fährst Autos durch Explosionen – alles mit höchster Präzision, sorgfältiger Vorbereitung und klarem Sicherheitskonzept. Stunt ist kein Beruf, den man in einer klassischen Ausbildung erlernt – er ist das Ergebnis jahrelanger körperlicher Ausbildung in verschiedenen Sportdisziplinen, gepaart mit schauspielerischer Präsenz, technischem Verständnis und Mut. Dieser Beruf ist selten, hochkompetitiv und außergewöhnlich anspruchsvoll – aber für die, die ihn ausüben, ist er oft der Traumberuf schlechthin.

Dieser Beruf passt zu dir, wenn du …

  • sportlich auf sehr hohem Niveau bist – in Kampfsport, Akrobatik, Turnen, Reiten, Fahrsport oder einer anderen Disziplin
  • körperlich mutig bist und in Extremsituationen einen kühlen Kopf behältst
  • diszipliniert, trainingsfleißig und langmütig bist – der Einstieg dauert Jahre
  • Interesse an Film, Fernsehen und Theater hast und dich in diesen Welten wohlfühlst
  • teamorientiert bist und präzise Absprachen in komplexen Teams umsetzen kannst
  • bereit bist, Risiken professionell einzuschätzen und zu managen – nicht zu ignorieren
  • keine Scheu vor körperlichen Belastungen, Verletzungsrisiken und unregelmäßigen Arbeitszeiten hast

Kernaufgabengebiete und Themen des Berufs

Stuntleute sind spezialisierte Film- und Fernsehprofis, die körperlich riskante Szenen sicher und überzeugend ausführen. Das Herzstück des Berufs ist die sorgfältige Vorbereitung und Durchführung von Stunts. Du analysierst eine Szene gemeinsam mit dem Stuntkoordinator oder der Stuntkoordinatorin – welche Bewegungen sind geplant, welche Gefahren bestehen, welche Sicherheitsvorkehrungen müssen getroffen werden. Du entwickelst einen Ablaufplan, übst die Szene wiederholt, besprichst Kamerawinkel und Schnittmomente und sorgst dafür, dass die Ausführung sowohl sicher als auch visuell überzeugend ist.

Ein wichtiger Teilbereich ist das Körperdoubeln. Du ersetzt ein:e Schauspieler:in in einer Szene, imitierst deren Bewegungen, Körperhaltung und Stil und sorgst dafür, dass der Übergang zwischen Schauspieler:in und Stuntperson für die Kamera unsichtbar bleibt. Das erfordert nicht nur körperliche Kontrolle, sondern auch schauspielerisches Gespür. In manchen Produktionen bist du auf eine bestimmte Schauspieler:in spezialisiert und wirst regelmäßig für diese Person gebucht.

Ein weiterer Bereich ist die Stuntkoordination – eine Rolle, in die erfahrene Stuntleute oft aufsteigen. Als Stuntkoordinator:in planst und koordinierst du alle Stunts einer Produktion, leitest das Stuntteam, briefst Regisseur:innen und Produktionsleiter:innen, erstellst Risikoabschätzungen und stellst sicher, dass alle Sicherheitsstandards eingehalten werden. Du bist verantwortlich dafür, dass niemand zu Schaden kommt – weder die Stuntleute noch das übrige Team.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst du jedoch im Laufe deines Berufslebens weiter ausbauen und vertiefen.

Wichtige Soft Skills

  • Selbstdisziplin und eine langfristige Trainingsmentalität
  • Risikobereitschaft kombiniert mit nüchternem Sicherheitsbewusstsein – Mut ohne Leichtsinn
  • Teamfähigkeit und Verlässlichkeit in hochpräzisen Produktionsabläufen
  • Anpassungsfähigkeit an wechselnde Produktionen, Drehorte und Teams
  • Kommunikationsstärke für die Abstimmung mit Regisseur:innen, Kamerateams und Stuntkoordinatoren

Wichtige Hard Skills

  • Sehr hohes sportliches Niveau in mindestens einer Kerndisziplin (z. B. Kampfsport, Turnen, Klettern, Reiten, Fahrsport)
  • Kenntnisse in mehreren Sportdisziplinen – Vielseitigkeit ist im Stuntberuf entscheidend
  • Grundkenntnisse in Sicherheitstechnik, Sturzmatten, Pyrotechnik oder Rigging
  • Körperkontrolle und räumliches Bewusstsein auf höchstem Niveau
  • Grundkenntnisse in Filmproduktion, Kameraarbeit und Drehabläufen

Zugangsvoraussetzungen

Stuntman oder Stuntwoman ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf – es gibt keine klassische Lehre oder ein Studium, das direkt in diesen Beruf führt. Der Einstieg erfolgt über einen langen und eigenständigen Weg: Du musst zunächst auf sehr hohem Niveau in mindestens einer, besser mehreren Sportdisziplinen ausgebildet sein. Kampfsportarten wie Karate, Jiu-Jitsu oder Boxen, Akrobatik, Trampolinturnen, Parkour, Klettern, Reiten, Motorsport oder Schwimmen sind typische Grundlagen. Viele erfolgreiche Stuntleute haben einen Hintergrund als Leistungssportler:in, Zirkusartist:in oder Kampfsportler:in.

In Deutschland gibt es einige spezialisierte Stunt-Ausbildungsprogramme und -workshops, die erste Einblicke in Stuntarbeit, Sicherheitstechnik und Filmproduktion geben. Eine wichtige Anlaufstelle ist der Bundesverband Stunt e.V., der Qualitätsstandards in der deutschen Stuntbranche setzt und als Netzwerk für Stuntleute und Stuntkoordinator:innen fungiert. Internationale Stuntschulen – etwa in den USA oder Großbritannien – bieten formalisierte Ausbildungen an, die in der internationalen Filmindustrie anerkannt sind. Schauspielerische Grundkenntnisse, Grundkenntnisse in Filmproduktion und ein belastbares Netzwerk in der Branche sind für den Einstieg ebenso wichtig wie sportliche Leistung.

Typische Berufsfelder und Weiterbildungsmöglichkeiten

Stuntleute arbeiten in Kino- und Fernsehproduktionen, bei Werbefilmen, in Musikvideos, bei Live-Shows, Theaterproduktionen mit Akrobatikanteil oder in der Entwicklung von Videospielen mit Motion-Capture-Stuntaufnahmen. In Deutschland sind die größten Produktionszentren Berlin, München, Hamburg und Köln. International – besonders in den USA (Hollywood), Großbritannien und Australien – ist die Stuntbranche deutlich größer und bietet mehr Einstiegsmöglichkeiten.

Wer in diesem Beruf langfristig tätig ist, steigt häufig zur Stuntkoordinator:in auf – das ist die natürliche und gut vergütete Karrierestufe für erfahrene Stuntleute. Auch ein Wechsel in die Kampfchoreografie – also das Entwerfen und Einüben von Kampfszenen für Schauspieler:innen – ist ein häufiger Karriereweg. Manche Stuntleute arbeiten zusätzlich als Stunttrainer:innen und bringen Schauspieler:innen Bewegungsabläufe, Fallübungen oder Kampftechniken bei.

Aufgaben im Berufsalltag

Dein Berufsalltag als Stuntman oder Stuntwoman ist unregelmäßig und projektbasiert – du wirst für einzelne Produktionen gebucht, oft kurzfristig und für begrenzte Zeiträume. Vor dem eigentlichen Drehtag verbringst du viel Zeit mit Vorbereitung: Szenenanalyse, Absprachen mit dem Stuntkoordinator, Proben der Bewegungsabläufe, Überprüfung der Sicherheitsausrüstung. Am Set arbeitest du präzise nach Plan – du weißt genau, wo du stehst, wie du dich bewegst, wann du fällst und wie die Kamera steht. Mehrere Takes und kleinste Anpassungen sind normal.

Zwischen Produktionen hältst du dein Training aufrecht – das ist nicht optional, sondern existenziell für deinen Beruf. Du trainierst täglich, erweiterst dein Fähigkeitenspektrum und pflegst dein Netzwerk in der Branche. Castingagenturen, persönliche Empfehlungen und direkte Kontakte zu Stuntkoordinator:innen sind der wichtigste Weg zu neuen Aufträgen. Viele Stuntleute sind freiberuflich tätig und müssen sich selbst um Aufträge, Versicherung, Buchführung und Selbstvermarktung kümmern.

Gehalt

Das Gehalt im Stuntbereich ist stark projektabhängig und schwankt erheblich. Einsteiger:innen verdienen pro Drehtag in Deutschland etwa 200 bis 500 Euro, erfahrene Stuntleute 500 bis 1.500 Euro pro Tag – bei großen internationalen Produktionen kann der Tagessatz deutlich höher liegen. Da Stuntleute häufig freiberuflich und nicht ganzjährig ausgelastet sind, ist das Jahreseinkommen sehr variabel: Einsteiger:innen verdienen oft weniger als 20.000 Euro im Jahr, gut etablierte Stuntleute können 40.000 bis 80.000 Euro oder mehr erreichen. Stuntkoordinator:innen – als erfahrene Führungskräfte am Set – erzielen deutlich höhere Honorare. Wichtig: Eine eigene Berufsunfähigkeitsversicherung und eine gute Unfallversicherung sind in diesem Beruf unverzichtbar und sollten von Anfang an eingeplant werden.

Alternative Berufe

  • Kampfchoreograf:in (Entwicklung und Einstudierung von Kampfszenen)
  • Zirkusartist:in oder Akrobat:in (mit ähnlichem körperlichen Profil)
  • Schauspieler:in mit Spezialisierung auf Action (mit Schauspielausbildung)
  • Stunttrainer:in (Training von Schauspieler:innen für körperliche Szenen)
  • Sportlehrer:in oder Personal Trainer:in (für eine stabilere Alternative im Sport)
  • Motion-Capture-Artist:in (Bewegungsdarstellung für Videospiele und Animationen)

Fallen, brennen, fliegen – und dabei immer wissen, was man tut

Stuntman oder Stuntwoman zu sein bedeutet nicht Draufgängertum – es bedeutet jahrelange Vorbereitung, perfekte Körperbeherrschung und den professionellen Umgang mit Risiko. Du machst Szenen möglich, die Menschen in Kinos auf der ganzen Welt in Staunen versetzen – und du weißt genau, wie du das sicher und überzeugend tust. Wenn du sportlich auf höchstem Niveau bist, Film liebst und einen der aufregendsten und seltensten Berufe der Welt anstrebst, dann lohnt sich dieser Weg – auch wenn er lang, ungesichert und fordernd ist.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.

Keine Jobs gefunden.