Ausbildung

Studium

Behörden, Ämter und öffentliche Institutionen stehen vor einer der größten Transformationen ihrer Geschichte: der Digitalisierung. Bürger:innen wollen Verwaltungsleistungen online erledigen – Ummeldungen, Steueranträge, Baugenehmigungen, Kindergeldanträge. Behörden wollen papierlose Prozesse, sichere digitale Kommunikation und effiziente IT-Systeme. Hinter dieser Transformation stehen Menschen, die sowohl IT-Kompetenz als auch Verwaltungswissen mitbringen – und genau das ist das Profil der Verwaltungsinformatik. Verwaltungsinformatiker:innen gestalten die digitale Zukunft des öffentlichen Sektors: Sie entwickeln und implementieren IT-Systeme für Behörden, steuern E-Government-Projekte, sichern digitale Verwaltungsprozesse und beraten öffentliche Einrichtungen bei der Digitalisierung ihrer Abläufe. Verwaltungsinformatik ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc. oder B.A.), der an Hochschulen des öffentlichen Dienstes und Fachhochschulen angeboten wird und in einen Beruf mit exzellenten Zukunftsaussichten im öffentlichen Sektor führt.

Dieses Studium passt zu Dir, wenn Du …

  • Dich für IT und Informatik interessierst und gleichzeitig im öffentlichen Dienst arbeiten möchtest
  • die Digitalisierung der Verwaltung als gesellschaftlich wichtige Aufgabe siehst und mitgestalten möchtest
  • einen sicheren, krisenfesten Arbeitsplatz mit gesellschaftlicher Relevanz suchst
  • Mathematik und Informatik zu Deinen stärkeren Schulfächern zählst
  • Dich für E-Government, digitale Verwaltungsprozesse und öffentliche IT-Projekte begeisterst
  • verantwortungsbewusst und datenschutzsensibel arbeitest – im öffentlichen Sektor sind diese Eigenschaften besonders wichtig
  • einen Studiengang suchst, der technische Kompetenz mit dem Verständnis für öffentliche Strukturen verbindet

Studienüberblick und Studieninhalte

Verwaltungsinformatik wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc. oder B.A.) an einer Reihe von Hochschulen angeboten – darunter die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund), die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, die Kommunale Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen sowie weitere Verwaltungshochschulen der Länder. Viele Programme sind als duale oder verwaltungsinterne Studiengänge konzipiert – Du studierst parallel zu einer Ausbildung oder Tätigkeit im öffentlichen Dienst und hast damit bereits während des Studiums einen sicheren Arbeitsplatz. Die Regelstudienzeit beträgt in der Regel sechs bis sieben Semester. Verwaltungsinformatik unterscheidet sich von reiner Informatik durch den starken Fokus auf öffentliche Verwaltungsprozesse, Verwaltungsrecht und E-Government.

Das Studium verbindet informatische Grundlagen mit verwaltungsspezifischen Inhalten. Die informatische Seite umfasst Programmierung – meist Java oder Python –, Algorithmen und Datenstrukturen, Datenbanken und Datenmodellierung, Softwareentwicklung und Softwarearchitektur sowie IT-Sicherheit und Netzwerke. IT-Sicherheit ist in der Verwaltungsinformatik besonders gewichtet: Behörden verarbeiten hochsensible Daten – Steuerinformationen, Gesundheitsdaten, Sozialdaten – und müssen diese besonders schützen. Datenschutz und Datenschutzrecht – DSGVO, BDSG, besondere Anforderungen des öffentlichen Sektors – sind Pflichtfächer, die in der Privatwirtschaft seltener so prominent sind.

Die verwaltungsspezifischen Inhalte sind das Alleinstellungsmerkmal des Studiengangs. Öffentliches Recht und Verwaltungsrecht zeigen Dir den rechtlichen Rahmen, in dem Behörden handeln: Verwaltungsverfahrensgesetz, Datenschutz im öffentlichen Bereich, E-Government-Gesetze des Bundes und der Länder. E-Government und digitale Verwaltung sind das Herzstück: Du lernst, wie digitale Verwaltungsleistungen entwickelt und implementiert werden – Online-Portale, digitale Antragsverfahren, elektronische Aktenführung, digitale Signaturen und die Telematikinfrastruktur des Bundes. Verwaltungsorganisation und Geschäftsprozessmanagement zeigen Dir, wie Verwaltungsabläufe analysiert, modelliert und durch IT-Systeme optimiert werden. IT-Projektmanagement im öffentlichen Sektor vermittelt Dir, wie öffentliche IT-Projekte geplant, ausgeschrieben und gesteuert werden – mit den besonderen Anforderungen des Vergaberechts und der öffentlichen Haushaltsplanung. Interoperabilität und IT-Standards im öffentlichen Sektor zeigen Dir, wie verschiedene Behörden und IT-Systeme miteinander kommunizieren.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt im Umgang mit sensiblen Daten der Bürger:innen
  • Kommunikationsstärke für die Zusammenarbeit mit Verwaltungsfachleuten und IT-Teams
  • Analytisches Denken für die Digitalisierung und Optimierung von Verwaltungsprozessen
  • Geduld für die oft komplexen und langwierigen Entscheidungsprozesse im öffentlichen Sektor
  • Teamfähigkeit in interdisziplinären Projektteams aus IT-Fachleuten und Verwaltungsexpert:innen
  • Bürgerorientierung – digitale Verwaltung soll für alle Menschen zugänglich und nutzbar sein

Wichtige Hard Skills

  • Grundkenntnisse in Mathematik und Informatik als technisches Fundament
  • Interesse an Verwaltungsrecht und öffentlichem Recht als inhaltliche Basis
  • Grundkenntnisse in Programmierung sind ein echter Vorteil beim Studienstart
  • Verständnis für IT-Sicherheit und Datenschutz als besondere Anforderung im öffentlichen Sektor
  • Gute Englischkenntnisse für internationale E-Government-Standards und Fachliteratur

Zugangsvoraussetzungen

Für den Bachelor Verwaltungsinformatik wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Viele Programme sind als duale Studiengänge in Kooperation mit Bundes- oder Landesbehörden organisiert – in diesem Fall musst Du Dich zunächst beim jeweiligen Arbeitgeber im öffentlichen Dienst bewerben, der Dich dann für das Studium freistellt. Die Auswahl erfolgt oft über schriftliche Tests, Eignungsgespräche und Auswahlverfahren der Behörden. Ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge ist faktische Voraussetzung für den öffentlichen Dienst. Informiere Dich direkt bei der jeweiligen Hochschule oder dem angestrebten Arbeitgeber über Bewerbungsverfahren und Fristen – diese variieren erheblich.

Typische Berufsfelder, Perspektiven und Weiterbildung nach dem Studium

Verwaltungsinformatiker:innen arbeiten im öffentlichen Sektor – einem Berufsfeld mit strukturell wachsender Nachfrage nach IT-Kompetenz und exzellenter Jobsicherheit. Der Rückstand der deutschen Verwaltung bei der Digitalisierung ist bekannt und politisch anerkannt – der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die IT und Verwaltung verbinden, ist enorm und wird auf absehbare Zeit deutlich größer als das Angebot bleiben.

Im IT-Management und in der IT-Steuerung von Behörden – auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene – planst und steuerst Du die digitale Infrastruktur öffentlicher Einrichtungen: Server, Netzwerke, Anwendungssysteme, Sicherheitskonzepte. Im E-Government und in der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen – in IT-Referaten von Ministerien, in kommunalen Digitalisierungsabteilungen oder bei IT-Dienstleistern des öffentlichen Sektors wie der Dataport, der AKDB oder dem ITZBund – entwickelst und implementierst Du digitale Verwaltungsangebote für Bürger:innen und Unternehmen. Im IT-Sicherheitsmanagement – beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), in Sicherheitsreferaten von Behörden oder bei IT-Dienstleistern des öffentlichen Sektors – schützt Du öffentliche IT-Systeme vor Cyberangriffen und Datenschutzverletzungen. Im IT-Projektmanagement öffentlicher Digitalisierungsprojekte – teils in Kooperation mit privaten IT-Dienstleistern – steuerst Du große und komplexe Projekte wie die Einführung des Online-Zugangsgesetzes oder die Digitalisierung des Gesundheitswesens. In der IT-Beratung für den öffentlichen Sektor – bei Beratungsunternehmen wie Capgemini Public Sector, Accenture Federal Services oder Sopra Steria – berätst Du Behörden von außen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse.

Aufbauende Studiengänge und mögliche Masterstudiengänge

  • Verwaltungsinformatik (Master) – vertiefte Ausbildung mit Schwerpunkten in IT-Sicherheit, E-Government oder IT-Management
  • Informatik (Master) – für eine stärkere technisch-wissenschaftliche Vertiefung
  • Wirtschaftsinformatik (Master) – für eine breitere IT-Management-Qualifikation über den öffentlichen Sektor hinaus
  • Öffentliche Verwaltung oder Public Administration (Master) – für eine stärkere Ausrichtung auf Verwaltungsführung und -recht
  • IT-Sicherheit oder Cybersecurity (Master) – für die Spezialisierung auf den Schutz öffentlicher IT-Systeme
  • Digital Government oder E-Government (Master) – für die wissenschaftliche Vertiefung in digitale Verwaltungstransformation

Gehalt im Beruf

Verwaltungsinformatiker:innen im öffentlichen Dienst werden nach TVöD oder – bei Verbeamtung – nach den Besoldungsordnungen der Länder oder des Bundes vergütet. Im Einstieg liegen die Bruttojahresgehälter typischerweise zwischen 36.000 und 52.000 Euro, je nach Laufbahn, Behörde und Bundesland. Verbeamtete IT-Fachkräfte profitieren zusätzlich von Pensionsansprüchen, Beihilfe zur Krankenversicherung und Arbeitsplatzsicherheit – Vorteile, die im Vergleich zu privaten IT-Unternehmen finanziell erheblich ins Gewicht fallen. In IT-Dienstleistern des öffentlichen Sektors wie Dataport oder ITZBund sind die Gehälter teils etwas höher als in klassischen Behörden. Mit Masterabschluss, Führungsverantwortung oder Spezialisierung in IT-Sicherheit steigen die Gehälter auf 55.000 bis 75.000 Euro und mehr. Verwaltungsinformatiker:innen verdienen in der Regel weniger als vergleichbare IT-Fachkräfte in der Privatwirtschaft – dafür sind Jobsicherheit und Sozialleistungen deutlich attraktiver.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Informatik (B.Sc.) – technisch tiefer und breiter, ohne öffentlichen Sektor als Schwerpunkt
  • Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) – für die Schnittstelle zwischen IT und Wirtschaft in der Privatwirtschaft
  • Public Administration oder Öffentliche Verwaltung (B.A.) – für Verwaltungskarrieren ohne IT-Fokus
  • IT-Sicherheit (B.Sc.) – für eine direkte Spezialisierung auf Cybersecurity ohne Verwaltungsfokus
  • Digitale Verwaltung oder E-Government (B.A.) – verwandte Studiengänge mit ähnlichem Profil
  • Fachinformatiker:in (Ausbildung) – für einen direkten IT-Einstieg im öffentlichen Dienst ohne Studium

Die Verwaltung von morgen gestalten – Verwaltungsinformatik als Studium mit gesellschaftlichem Auftrag

Verwaltungsinformatik ist das Studium für alle, die IT-Kompetenz mit dem Wunsch verbinden, den öffentlichen Sektor besser zu machen – digitaler, effizienter und bürgerfreundlicher. Du arbeitest an der Transformation einer Institution, die für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbar ist: der Verwaltung. Die Jobsicherheit ist exzellent, der gesellschaftliche Auftrag klar und der Nachholbedarf bei der Digitalisierung enorm. Wenn Du IT liebst und den öffentlichen Dienst als sinnvolles Berufsfeld siehst, bist Du in der Verwaltungsinformatik genau richtig.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.