Ausbildung

Studium

Wer bringt angehenden Bankkaufleuten das Kreditgeschäft bei? Wer unterrichtet Industriekaufleute in Buchführung und Kostenrechnung? Wer entwickelt Weiterbildungsprogramme für Vertriebsmitarbeiter:innen in Konzernen? Das sind Wirtschaftspädagog:innen – Fachleute, die betriebswirtschaftliche Kompetenz mit pädagogischer Professionalität verbinden und berufliche Bildung in kaufmännischen und wirtschaftlichen Berufen gestalten. Wirtschaftspädagogik ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc.), der an Universitäten angeboten wird und in zwei klar definierte Berufsfelder führt: das Lehramt an Berufsschulen für kaufmännische Fächer und die betriebliche Aus- und Weiterbildung in Unternehmen. Es ist ein Studiengang, der selten bekannt ist, aber einen der stabilsten und gesellschaftlich bedeutsamsten Bereiche des deutschen Bildungssystems trägt – die berufliche Bildung.

Dieses Studium passt zu Dir, wenn Du …

  • wirtschaftlich denkst und gleichzeitig Freude daran hast, Wissen zu vermitteln und Menschen zu entwickeln
  • Lehrer:in an einer Berufsschule werden möchtest – speziell für kaufmännische und wirtschaftliche Fächer
  • in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung in Unternehmen tätig sein möchtest
  • Dich für das duale Ausbildungssystem und seine gesellschaftliche Bedeutung interessierst
  • organisiert und strukturiert bist und Freude an der Planung und Durchführung von Bildungsmaßnahmen hast
  • einen Studiengang suchst, der klare Berufswege in Schule und Wirtschaft eröffnet
  • BWL spannend findest, aber nicht in einem rein kaufmännischen Beruf enden möchtest

Studienüberblick und Studieninhalte

Wirtschaftspädagogik wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (B.Sc.) fast ausschließlich an Universitäten angeboten – darunter die Universität zu Köln, die Universität Mannheim, die Universität Hamburg, die Universität Frankfurt, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie weitere Standorte. Das Studium ist stärker universitär und wissenschaftlich ausgerichtet als vergleichbare Fachhochschulstudiengänge. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester. Für die volle Lehramtsbefähigung an Berufsschulen ist in der Regel ein konsekutiver Master und ein Referendariat erforderlich – der Bachelor ist der erste Schritt auf diesem Weg. Das Studium teilt sich in drei gleichgewichtige Säulen: Wirtschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften und ein wirtschaftliches Zweitfach oder eine Fachrichtung.

Die wirtschaftswissenschaftliche Säule vermittelt Dir eine solide betriebswirtschaftliche Grundausbildung: Buchführung und Rechnungswesen, Kostenrechnung und Controlling, Finanzierung und Investition, Marketing, Personalmanagement, Unternehmensführung und Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Diese Inhalte sind vergleichbar mit den ersten Semestern eines BWL-Studiums – sie bilden das fachliche Fundament für den späteren Unterricht in kaufmännischen Fächern. Das wirtschaftliche Zweitfach oder die berufliche Fachrichtung – je nach Hochschule Rechnungswesen, Finanzwirtschaft, Wirtschaftsinformatik oder ein weiteres Fach – vertieft die fachliche Qualifikation.

Die erziehungswissenschaftliche Säule ist das pädagogische Herzstück. Allgemeine Pädagogik und Bildungstheorie zeigen Dir die theoretischen Grundlagen des Lehrens und Lernens. Wirtschaftsdidaktik ist das Kernfach der Wirtschaftspädagogik: Wie vermittle ich Buchführung so, dass Auszubildende sie wirklich verstehen? Wie gestalte ich Lernaufgaben, die kaufmännisches Denken fördern? Welche Unterrichtsmethoden eignen sich für die Berufsschule? Berufspädagogik und Berufsbildungsforschung zeigen Dir das duale Ausbildungssystem in seiner ganzen Komplexität: Berufsbildungsgesetz, Rahmenlehrpläne, Ausbildungsordnungen, Prüfungswesen und die Akteure im System – Betriebe, Berufsschulen, Kammern. Bildungsmanagement und betriebliche Weiterbildung zeigen Dir, wie Unternehmen ihre Aus- und Weiterbildung strategisch planen und organisieren. Schulpraktika in Berufsschulen und Betriebspraktika begleiten das Studium von früh an.

Soft Skills und Hard Skills

Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.

Wichtige Soft Skills

  • Kommunikationsstärke für Unterricht, Ausbildungsgespräche und die Zusammenarbeit mit Unternehmen
  • Pädagogisches Gespür für die Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen von Auszubildenden
  • Organisationstalent für die Planung von Unterrichtseinheiten und Bildungsmaßnahmen
  • Geduld und Empathie für lernende Menschen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen
  • Wirtschaftliches Denken für die Vermittlung kaufmännischer Inhalte
  • Reflexionsfähigkeit für die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Lehrpraxis

Wichtige Hard Skills

  • Solide Kenntnisse in BWL – besonders Buchführung und Rechnungswesen – als fachliches Fundament
  • Didaktische Grundkompetenz für die Unterrichtsplanung (wird im Studium aufgebaut)
  • Wissenschaftliches Arbeiten und Argumentieren auf universitärem Niveau
  • Gute Englischkenntnisse für internationale Fachliteratur und global ausgerichtete Unternehmen
  • Grundkenntnisse in Lernmanagementsystemen und digitalen Unterrichtsmedien

Zugangsvoraussetzungen

Für den Bachelor Wirtschaftspädagogik wird die allgemeine Hochschulreife vorausgesetzt. Das Fach wird fast ausschließlich an Universitäten angeboten. Der NC variiert je nach Standort; an manchen Universitäten ist das Fach zulassungsfrei, an anderen gibt es moderate Zugangswerte. Gute Noten in Mathematik und Deutsch sind faktisch hilfreich. Ein Vorpraktikum ist keine formale Pflicht, aber erste Erfahrungen in kaufmännischen Berufen oder in pädagogischen Tätigkeiten – Nachhilfe, Ehrenamt, Ferienjobs in Büros – helfen bei der Orientierung.

Typische Berufsfelder, Perspektiven und Weiterbildung nach dem Studium

Wirtschaftspädagog:innen arbeiten in zwei klar definierten Berufsfeldern mit dauerhaft stabiler Nachfrage – und in einem dritten, wachsenden Feld der betrieblichen Bildungsarbeit.

Als Berufsschullehrer:in für kaufmännische Fächer unterrichtest Du Auszubildende in Berufen wie Industriekaufmann/-frau, Bankkaufmann/-frau, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Steuerfachangestellte:r oder Kaufmann/-frau für Büromanagement. Du vermittelst Buchführung, Wirtschaftslehre, Kosten- und Leistungsrechnung, Recht und weitere fachspezifische Inhalte. Für die Verbeamtung ist der Masterabschluss und das Referendariat erforderlich – die Beamtenlaufbahn bietet Gehaltssicherheit, Pensionsanspruch und gute Work-Life-Balance. In der betrieblichen Aus- und Weiterbildung – in Ausbildungsabteilungen von Unternehmen, Bildungszentren von Kammern oder bei Weiterbildungsanbietern – planst, organisierst und führst Du Ausbildungsprogramme und Weiterbildungsmaßnahmen durch. In der Bildungsberatung und Berufsberatung – bei der Bundesagentur für Arbeit, in Bildungsberatungsstellen oder in Unternehmen – berätst Du Menschen bei der Wahl und Gestaltung ihrer beruflichen Bildungswege. Im Bildungsmanagement und in der Organisationsentwicklung – in Unternehmen, Verbänden oder Bildungsinstitutionen – steuerst Du strategisch die Entwicklung von Bildungsangeboten und Lernkulturen.

Aufbauende Studiengänge und mögliche Masterstudiengänge

  • Wirtschaftspädagogik (Master) – notwendig für die volle Lehramtsbefähigung an Berufsschulen; konsekutiver Masterabschluss mit anschließendem Referendariat
  • Bildungsmanagement (Master) – für Führungsaufgaben in Bildungseinrichtungen und Unternehmen
  • Betriebswirtschaftslehre (Master) – für eine stärkere wirtschaftswissenschaftliche Vertiefung ohne Lehramtsfokus
  • Erziehungswissenschaft oder Bildungsforschung (Master) – für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Bildungsprozessen
  • Human Resources Management (Master) – für die Spezialisierung auf strategisches Personalmanagement und Weiterbildung
  • E-Learning und Digitale Bildung (Master) – für die Gestaltung digitaler Lernumgebungen in Schule und Unternehmen

Gehalt im Beruf

Als verbeamtete:r Berufsschullehrer:in – nach Master und Referendariat – sind die Gehälter nach A13/A14 attraktiv und liegen im Einstieg typischerweise zwischen 48.000 und 62.000 Euro brutto im Jahr, mit klaren Steigerungen durch Erfahrungsstufen und Beförderungen. Die Verbeamtung bietet zusätzlich Pensionsansprüche, Beihilfe zur Krankenversicherung und Arbeitsplatzsicherheit. In der betrieblichen Aus- und Weiterbildung liegen die Gehälter im Einstieg zwischen 36.000 und 50.000 Euro; in großen Unternehmen mit eigenem Bildungszentrum teils höher. Im Bildungsmanagement sind mit Berufserfahrung 50.000 bis 70.000 Euro erreichbar. Wirtschaftspädagogik bietet damit – besonders über den Beamtenweg – eine der stabilsten Gehalts- und Karriereentwicklungen unter den pädagogischen Studiengängen.

Alternative Studiengänge und Berufe

  • Betriebswirtschaftslehre (B.Sc.) – breiter wirtschaftlich, ohne pädagogische Ausrichtung
  • Lehramt an Gymnasien oder Gesamtschulen (Staatsexamen) – für allgemeinbildende Schulfächer statt kaufmännischer Berufsschulfächer
  • Erziehungswissenschaft (B.A.) – für pädagogische Tätigkeiten ohne wirtschaftlichen Fokus
  • Bildungsmanagement (B.A.) – für die organisatorische Seite von Bildung ohne starken BWL-Fokus
  • Personalmanagement oder HR (B.A.) – für die Personalentwicklung ohne pädagogischen Tiefgang
  • Ausbilder:in (AEVO-Zertifizierung) – für die Ausbildungseignungsprüfung ohne Studium; ermöglicht Ausbildertätigkeit in Betrieben

BWL unterrichten, Menschen entwickeln – Wirtschaftspädagogik als Studium für alle, die Wissen weitergeben wollen

Wirtschaftspädagogik ist das Studium für alle, die BWL nicht nur anwenden, sondern weitergeben wollen – in der Berufsschule, im Unternehmen oder in der Weiterbildung. Du lernst, kaufmännische Inhalte so zu vermitteln, dass sie ankommen, Auszubildende in ihrer beruflichen Entwicklung zu begleiten und berufliche Bildung als gesellschaftlichen Auftrag ernst zu nehmen. Es ist ein Studiengang mit klaren Berufswegen, stabiler Nachfrage und einer sinnstiftenden Aufgabe: Du trägst dazu bei, dass das duale Ausbildungssystem – eine der großen Stärken Deutschlands – lebendig und qualitativ hochwertig bleibt.



Egal welche Form hier steht – angesprochen bist Du, unabhängig von Geschlecht oder Identität. Nutze die Chancen, entdecke Deine Stärken und gestalte Deine berufliche Zukunft selbst.