Studium
Unternehmen schließen täglich Verträge, beschäftigen Mitarbeiter:innen, kaufen und verkaufen Waren, finanzieren sich über Banken und Kapitalmärkte – und geraten dabei regelmäßig in rechtliche Fragen, die ohne Fachkenntnisse kaum zu lösen sind. Wer versteht, wie Recht und Wirtschaft zusammenwirken, ist in der modernen Unternehmenswelt unverzichtbar. Wirtschaftsrecht ist der Studiengang, der genau diese Verbindung herstellt: Er vermittelt juristisches Fachwissen mit direktem wirtschaftlichem Anwendungsbezug – ohne das vollständige Jurastudium mit Staatsexamen zu erfordern. Wirtschaftsjurist:innen kennen Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht und Handelsrecht – und wissen gleichzeitig, wie Unternehmen organisiert sind, wie Märkte funktionieren und welche wirtschaftlichen Entscheidungen hinter rechtlichen Fragen stecken. Wirtschaftsrecht ist ein grundständiger Bachelor-Studiengang (LL.B. oder B.A.), der an Fachhochschulen, Universitäten und privaten Hochschulen angeboten wird und in Berufsfelder führt, die juristische Kompetenz im wirtschaftlichen Kontext verlangen.
Wirtschaftsrecht wird als grundständiger Bachelor-Studiengang (LL.B. oder B.A.) an zahlreichen deutschen Hochschulen angeboten – darunter die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), die Hochschule Mainz, die Hochschule Aalen, die FOM Hochschule, die IU Internationale Hochschule sowie viele weitere Fachhochschulen und private Hochschulen. An einigen Universitäten wird Wirtschaftsrecht als Nebenfach oder Schwerpunkt innerhalb der Rechtswissenschaften angeboten. Die Regelstudienzeit beträgt in der Regel sechs bis sieben Semester. Wirtschaftsrecht unterscheidet sich grundlegend von Rechtswissenschaften mit Staatsexamen: Es berechtigt nicht zur Zulassung als Rechtsanwält:in, Richter:in oder Notar:in – für diese Berufe ist das Erste und Zweite Staatsexamen erforderlich. Als Wirtschaftsjurist:in arbeitest Du in beratenden, verwaltenden und gestaltenden Funktionen in Unternehmen und Organisationen.
Das Studium verbindet rechtliche Grundlagen mit wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten. Die rechtliche Seite umfasst alle relevanten Rechtsgebiete des Wirtschaftslebens. Bürgerliches Recht – Vertragsrecht, Schuldrecht, Sachenrecht – ist das Fundament des deutschen Privatrechts und bildet den Kern des ersten Studienjahres. Handels- und Gesellschaftsrecht zeigt Dir, wie Kaufleute und Unternehmen rechtlich organisiert sind: OHG, GmbH, AG, Handelsregister, Prokura, Kaufmannseigenschaften. Arbeitsrecht ist eines der praxisrelevantesten Fächer: Arbeitsvertrag, Kündigung, Kündigungsschutz, Betriebsverfassungsrecht und kollektives Arbeitsrecht sind die Grundlage für alle personalrechtlichen Entscheidungen in Unternehmen. Steuerrecht zeigt Dir die wesentlichen Steuerarten – Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer – und ihre Bedeutung für unternehmerische Entscheidungen. Wettbewerbsrecht und Kartellrecht zeigen Dir, welche Grenzen das Recht dem wirtschaftlichen Wettbewerb setzt. Verfahrensrecht – Zivilprozessrecht, Mahnverfahren, Zwangsvollstreckung – zeigt Dir, wie rechtliche Ansprüche durchgesetzt werden. Europarecht und internationales Wirtschaftsrecht sind in einer globalisierten Wirtschaft unverzichtbar. Die wirtschaftliche Seite umfasst Buchführung und Rechnungswesen, Betriebswirtschaftslehre, Mikroökonomie und Grundlagen der Unternehmensführung.
Es ist von Vorteil, wenn Du einige der folgenden Fähigkeiten bereits mitbringst. Diese kannst Du jedoch im Laufe des Studiums und Deines Berufslebens weiter aufbauen und erweitern.
Für den Bachelor Wirtschaftsrecht wird je nach Hochschule die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorausgesetzt. Der NC variiert je nach Hochschule; an Fachhochschulen ist das Fach oft zulassungsfrei oder hat moderate Zugangswerte. Gute Noten in Deutsch sind faktisch hilfreich – juristisches Arbeiten ist zuallererst Textarbeit. Ein Vorpraktikum in einer Anwaltskanzlei, einem Unternehmen mit Rechtsabteilung oder bei einer Behörde ist keine Pflicht, aber sehr empfehlenswert für die Orientierung. An privaten Hochschulen fallen Studiengebühren an.
Wirtschaftsjurist:innen arbeiten in einem breiten Spektrum von Berufsfeldern – überall dort, wo juristische Kompetenz im wirtschaftlichen Kontext gefragt ist, ohne dass die volle anwaltliche Qualifikation erforderlich ist.
In der Rechtsabteilung von Unternehmen – als Legal Counsel oder Contract Manager – prüfst und gestaltest Du Verträge, bewertest rechtliche Risiken und berätst interne Abteilungen bei rechtlichen Fragen. In der Compliance-Abteilung – besonders in regulierten Branchen wie Banken, Versicherungen oder Pharmaunternehmen – stellst Du sicher, dass das Unternehmen alle gesetzlichen Anforderungen einhält. Im Personalmanagement und in der Personalabteilung bringst Du arbeitsrechtliches Wissen in die Gestaltung von Arbeitsverträgen, Kündigungen und Betriebsvereinbarungen ein. In Steuerberatungskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – als Steuerberater:in-Assistent:in oder in der Steuerabteilung – arbeitest Du an der steuerlichen Beratung von Unternehmen und Privatpersonen. In Anwaltskanzleien mit wirtschaftsrechtlichem Schwerpunkt arbeitest Du als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte:r oder als juristische:r Mitarbeiter:in in der Mandatsbearbeitung – ohne selbst als Anwält:in zugelassen zu sein. Im öffentlichen Dienst – in Behörden, Kommunalverwaltungen oder Bundesbehörden – arbeitest Du in der rechtlichen Sachbearbeitung und Verwaltung. In Verbänden und Kammern – IHK, Handwerkskammer, Branchenverbänden – berätst Du Mitgliedsunternehmen in rechtlichen Fragen.
Das Gehalt im Wirtschaftsrecht variiert je nach Berufsfeld und Arbeitgeber. In Unternehmensrechtsabteilungen liegen die Einstiegsgehälter typischerweise zwischen 36.000 und 52.000 Euro brutto im Jahr. In Compliance-Abteilungen großer Unternehmen und Banken sind 40.000 bis 56.000 Euro möglich. In Steuerberatungskanzleien liegen die Einstiegsgehälter bei 34.000 bis 48.000 Euro. Im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach TVöD. Mit Masterabschluss, Berufserfahrung und Spezialisierung – etwa als zertifizierte:r Compliance Officer oder im internationalen Vertragsrecht – steigen die Gehälter auf 55.000 bis 80.000 Euro und mehr. Wirtschaftsjurist:innen verdienen in der Regel weniger als approbierte Rechtsanwält:innen, haben aber direktere Berufswege ohne das lange Staatsexamensstudium.
Wirtschaftsrecht ist das Studium für alle, die Gesetze nicht als Selbstzweck lernen, sondern als Werkzeug für wirtschaftliche Gestaltung verstehen. Du lernst, Verträge zu lesen und zu gestalten, rechtliche Risiken zu erkennen und Unternehmen in einem komplexen Regelwerk zu navigieren – ohne den langen Umweg über das Staatsexamen. Es ist ein praxisorientierter, vielseitiger Studiengang mit klaren Berufswegen und wachsender Nachfrage in einer Wirtschaft, die immer stärker reguliert wird. Wenn Recht und Wirtschaft beide Deine Welt sind, bist Du im Wirtschaftsrecht genau richtig.
